Dem Flow auf der Spur
Hirnfutter
Physis und Psyche sind zwar zwei paar Stiefel die fantastisch Hand in Hand gehen, unterliegen aber auch begrenzten Ressourcen. Grundsätzlich braucht das Gehirn einen gesunden Körper, um überhaupt energieeffizient zu funktionieren. Von allen Organen im menschlichen Körper hat das Gehirn den höchsten Energiebedarf. Konzentration ist anstrengend, was einen großen Energieumsatz zur Folge hat. Diesbezüglich ist das Gehirn im Verhältnis zu seinem Gewicht kein „Kostverächter“. Obwohl seine Masse nur 2 % des Körpergewichts ausmacht (ca. 1400 Gramm), beansprucht es über die Hälfte der täglich mit der Nahrung aufgenommenen Kohlenhydrate bzw. verbraucht etwa 20 - 25 % des täglichen Kalorienbedarfs. Wahrnehmen, denken, fühlen, steuern und reagieren gibt es nicht zum „Nulltarif“. Von daher bedürfen ausdauernde Sinnes- und Denkleistungen des bedarfsgerechten Energienachschubs. Belastungsmerkmale wie Schmerzzustände der Muskulatur, abgesenkter Blutzuckerspiegel, entleerte Glykogenspeicher und erhöhter Laktatspiegel wollen ins Lot gebracht werden.
Da das Gehirn eintreffende Informationen nach Bedeutungsgrad
(Relevanz) selektiert, reduziert es bei Kapazitätsengpässen das Denk- und
Konzentrationsvermögen. Übersteigt die Informationsflut die
Verarbeitungskapazität, wird nach (Verlust-) Prioritäten unterschieden.
Verbraucht der Muskelapparat auf Steigungen überproportional viel Energie so
verbrennt in Gefällabschnitten das Gehirn aufgrund der Koordinationsleistungen
vermehrt Kohlenhydrate. Je höher die erforderliche Hirnleistung, desto mehr
wird Glukose als „Treibstoff“ benötigt, das der Organismus in Reinform nicht
selbst herstellt sondern aus der Verstoffwechslung von Lebensmitteln gewinnt. Gehen
im erschöpften Zustand die Glycogen - Speichervorräte zu neige drohen neben
verminderter körperlichen Leistungsfähigkeit zudem Konzentrationseinbußen. Die
mentale Performance lässt nach - Müdigkeit, Aufmerksamkeitsdefizite,
Verwirrtheit, sinkende Kombinationsfähigkeit und verlangsamte
Reaktionsfähigkeit sind die Folge. Dazu beeinträchtigt Sauerstoffmangel im
Gehirn analytisches Denken nachhaltig, d.h. Entscheidungsfähigkeit,
Urteilsvermögen, Koordinationsfähigkeit, Reflexe und Sehschärfe verschlechtern
sich. Erschöpfungszustände, Unterzuckerung und Dehydrierung sind im Eifer des Gefechts
– vor allem im techniklastigen Steilgelände - nicht ungefährlich, begünstigen
sie doch Fahrfehler, die schlechterdings bös ins Auge gehen können.
Die Gefahr potenziert sich, wenn verminderte Informationsverarbeitung
unbewusst bleibt und die Belastungsintensität - sprich Fahrstil – den
veränderten Bedingungen nicht angepasst wird. Eingefleischte Haudegen sind
gegenüber Newcomern im Vorteil, denn Erfahrung stärkt die Stressresistenz
wodurch das Gehirn weniger Glykogenvorräte anzapft. Könner bleiben
körperlich/geistig länger fit, ermüden langsamer und regenerieren obendrein
schneller.
© Scriptauszüge <Der Autopilot – Dem Flow auf der
Spur>, Curd Biedermann
