E-Bikes - Vom Nischenprodukt zur Allzweckwaffe für Jedermann 

Zweifelsohne haben sich E-Bikes innerhalb weniger Jahre vom ehemaligen Nischenprodukt zur treibenden Kraft des Zweiradmarktes entwickelt. Für nahezu jeden Einsatzzweck konzipiert, erobern E-Bikes - ausgestattet mit wegweisenden Innovationen - zunehmend den Zweiradmarkt. Da Elektroantrieb in fast allen Modellgruppen verfügbar ist, erfüllt das breite Produktportfolio individuelle Wünsche und Bedürfnisse. Deshalb kommen akkubetriebene Vehicle für Tourenradler, Reiseradler, Genussradler, Rennradler, Lastenradler, Gelegenheitsradler bis zum Mountainbiker und Arbeitspendler - über alle Altersschichten hinweg -  in Betracht. 2019 verfügte bereits jedes dritte verkaufte Fahrrad einen Elektromotor - Tendenz stark steigend. Die Gründe für den E-Bike-Bomm sind vielschichtig. Auf alle Fälle verlieren längere Strecken und Steigungen selbst für weniger Trainierte ihren Schrecken. 

Wie eine E-Bike-Studie 2020 nun ermittelte, befanden sich unter E-Bike-Käufern 21,6 Prozent sogenannte Neueinsteiger, d.h. dieses Klientel fuhr vor der Anschaffung ihres Stromers überhaupt kein Fahrrad. Selbst notorische Rad-Verächter finden mittlerweile an formvollendeten Gefährten mit intergrierter Rahmen-Akku-Technologie Gefallen. Auch der Umweltaspekt spielt eine Rolle, denn wer sein Auto stehen lässt und tagtäglich mit dem E-Bike pendelt (Dank Unterstützung ohne zu schwitzen) spart Verbrauchskosten und reduziert auch CO2-Ausstoß, sofern Ökostrom getankt wird.

E-Bike-Studie 2020

Eine von Fahrrad-XXL in Auftrag gegebene Studie erfolgte im Rahmen einer wissenschaftlichen Arbeit, dessen Datenerhebung als Masterthesis im Studiengang „International Marketing and Communication (M.A.) an der Hochschule Heilbronn durchgeführt wurde. Hierbei wurden z.B. soziodemografische Gruppen, Kaufmotive und die Entwicklung der E-Bike-Sparte untersucht.

Umfrage und Methodik: die Datenerhebung fußt auf einer Online-Befragung. Aus 1.917 Datensätzen wurden anhand einer Filterfrage eine Stichprobe (aus Probanden die entweder schon ein E-Bike besitzen oder innerhalb des nächsten Jahres eine Anschaffung planen) gebildet. Die Stichprobe weißt eine Größe von n=1.374 Personen auf.

Die Graphik spiegelt anhand des Suchverhaltens (Google) das Interesse nach Autos, Fahrrädern und E-Bikes wider. Neben dem Verhältnis der Mobilitätsarten fällt das sprunghafte Interesse Fahrrädern und E-Bikes ab März 2020 auf. Dies deutet darauf hin, dass die Corona-Pandemie bzw. der 1. Lockdown (ab 20. März 2020) ursächlich keinen unwesentlichen Einfluss darauf hatte. Das Interesse gegenüber E-Bikes ist im Vergleich zum Vorjahr zwar gestiegen, reicht aber an die Sparte der konventionellen Räder (noch) nicht heran. Auffällig ist, wie stark das Interesse an Zweirädern im Vergleich zu Autos gestiegen ist. Daten-Quelle: Google stellt mit Google Trends einen Online-Service bereit, mit dem sich die Popularität bestimmter Suchbegriffe nach Zeit und Regionen analysieren lässt. 

Die Corona-Pandemie löste einen regelrechten Fahrrad-Boom in Deutschland aus. Die Gründe hierfür liegen auf der Hand, da Radfahren/Mountainbiken trotz Ausgangsbeschränkung bzw. Kontaktbeschränkung  zu jedem Zeitpunkt erlaubt war - wenn auch mitunter nur allein oder zu zweit. Viele Menschen nutzten die Gelegenheit und schwangen sich auf den Sattel, um an der frischen Luft in freier Natur einem drohenden "Lagerkoller" zu entrinnen. Andere entdeckten aus Angst vor Ansteckungsgefahr das Rad als alternatives Verkehrsmittel zum öffentlichen Verkehr für sich.

Das durchschnittliche Suchvolumen bezieht sich auf die Anzahl der Suchanfragen für einen bestimmten Google-Begriff. Ein hohes Suchvolumen deutet auf ein großes Nutzerinteresse zu einem bestimmten Thema hin (Daten-Quelle: Google Trends). Zur Veranschaulichung des Graphen,  Suchanfragen der vergangenen Monate im Vergleich zum Vorjahr:

März 2020: 246.000 Suchanfragen (-18% im Vergleich zum Vorjahr)

April 2020: 673.000 Suchanfragen (+82% im Vergleich zum Vorjahr)

Mai 2020: 673.000 Suchanfragen (+82% im Vergleich zum Vorjahr)

Juni 2020: 550.000 Suchanfragen (+49% im Vergleich zum Vorjahr)

Juli 2020: 550.000 Suchanfragen (+49% im Vergleich zum Vorjahr)

August 2020: 450.000 Suchanfragen (+22% im Vergleich zum Vorjahr)

Die Untersuchung des soziodemografischen Merkmals der Geschlechterverteilung erbrachte mit der ermittelten männlichen Dominanz der E-Bike-Käufer ein doch etwas überraschendes Ergebnis.

Die Zeiten, als E-Bikes fast ausnahmslos von Senioren pilotiert wurden sind vorbei, denn Stromer sind zwischenzeitlich nicht nur in allen Altersschichten beliebt sondern repräsentieren sogar modernen Lifestyle. Dies zeigt der relativ hohe Anteil der Altersgruppe von 30 bis 39 Jahren, die mit 25 Prozent sogar den größten Anteil unter den E-Bike-Käufern stellt, dicht gefolgt von den 50- bis 59-jährigen sowie den 40- bis 49-jährigen. Zusammen nehmen die drei Hauptaltersgruppen (von 30- bis 59-jährige) einen Anteil von fast dreiviertel aller befragten E-Bike-Käufer ein. Auch überraschend: selbst die 18- bis 29-Jährigen haben einen größeren Anteil unter den E-Bike-Käufern als Befragte über 60 Jahre. Obwohl Elektrofahrräder für die Mobilität von Senioren bedeutsam sind, fällt ihr Anteil mit 10% relativ gering aus. Ein eindeutiges Ergebnis, das das weit verbreitete Vorurteil „E-Bikes seien nur etwas für Senioren“ ein für allemal widerlegt. Das altbakenne "Altherren-Image" das Rädern mit klobigen Akkus und unschönen Rahmen anhaftete gehört der Vergangenheit an, sonst würden E-Bikes beim jüngeren Publikum keinen so großen Anklang finden. 

Beim Familienstand macht sich der deutliche Trend bemerkbar, wie beliebt E-Bikes bei Pärchen und Ehepaaren sind.  Mehr als 80 Prozent der Käufer sind in einer Partnerschaft oder verheiratet, lediglich 13 Prozent Single. 

Ein interessanter Aspekt ist, in welcher Topographie e-Bikes eingesetzt werden bzw. in welchem Gebiet E-Bike-Käufer leben: Dank der Schubkraft können die elektrischen Flitzer auf zwei Rädern in nahezu jedem landschaftlichen Gebiet bewegen. 

Aufgedröselt nach Bike-Gattungen sticht auf Platz 1 der hohe Anteil der Befragten heraus die ein E-MTB besitzen (knapp 44 Prozent) gefolgt von E-Trekkingrädern (knapp 26 Prozent) und E-City-/Urbanbikes (knapp 14 Prozent). E-Renn- und Lastenräder weisen hingegen derzeit noch einen deutlich geringeren Anteil auf. Überraschend die Erkenntnis, dass 10,8 Prozent der Befragten angaben den Typ ihres E-Bikes gar nicht zu kennen.

Spannend auch die Betrachtungsweise, ob Käufer eines E-Bikes nach der Anschaffung noch mit herkömmlichen Rädern/MTB's unterwegs sind. Demnach gaben knapp die Hälfte der Befragten an entweder regelmäßig oder zumindest selten alternativ mit einem herkömmlichen Fahrrad zu fahren. Daraus lässt sich schlussfolgern, dass diese Käuferschicht mit dem Kauf eines E-Bikes andere vorhandene Räder nicht komplett ersetzen möchte. Hingegen 18,9 Prozent der Probanden verwenden nach der Anschaffung eines E-Bikes kein normales Fahrrad mehr, womit das E-Bike bisherige Räder ersetzt. Sehr interessant: es gibt 21,6 Prozent sogenannte Neueinsteiger, d.h. diese E-Bike-Käufer fuhren vor der Anschaffung überhaupt kein Fahrrad was dem Zweirad-Gesamtmarkt ein höheres Wachstumspotential beschert. 

Kaufmotive

Was begeistert E-Biker besonders an den elektrischen Fahrrädern? Auf Platz eins der Kaufmotive: die geringere Anstrengung im Vergleich zum herkömmlichen Fahrrad. Aber auch der Spaßfaktor, eine erhöhte Ausdauer auf Langstrecken und die Förderung der Gesundheit sind wichtige Kaufmotive. Vor allem eine große Akkureichweite, die Leistungsstärke des Motors und die Marke des Herstellers beeinflussen die Kaufentscheidung:

GERINGERE ANSTRENGUNG IM VERGLEICH ZUM HERKÖMMLICHEN FAHRRAD66.3%

SPASSFAKTOR59%

ERHÖHTE AUSDAUER FÜR LÄNGERE STRECKEN56.5%

FITNESS- UND GESUNDHEITSVERBESSERUNG53.3%

UMWELTFREUNDLICHKEIT UND NACHHALTIGKEIT30.7%

ERHÖHTE FLEXIBILITÄT27.1%

BEGEISTERUNG AN DER TECHNOLOGIE26.1%

AUTOERSATZ25.5%

ZEITERSPARNIS 16.7%

MIT FREUNDEN / FAMILIE MITHALTEN 15.4%

GESUNDHEITLICHE/KÖRPERLICHE EINSCHRÄNKUNG FÜR EIN FAHRRAD 14.3%

GERINGERE KOSTEN (Z.B. ALS BEIM AUTO) 13%

BESSERE PARKMÖGLICHKEIT 8.9%

BESSERE TRANSPORTMÖGLICHKEIT 6.1%

PERSÖNLICHE ODER EXTERNE VERÄNDERUNGEN (Z.B. DURCH EINE AUTOPANNE, VERÄNDERTER LEBENSSTIL) 5.5%

STATUSSYMBOL / LUXUS 2%

Quelle: Fahrrad XXL 

Bevorzugte Produkteigenschaften

Die entscheidenden Merkmale der wichtigsten Produkteigenschaften beim Kauf eines E-Bikes sind Reichweite, Motor und Gewicht. Top 15 der wichtigsten Produkteigenschaften:

LANGE AKKUREICHWEITE 53.8%

LEISTUNGSSTARKER MOTOR 42.8%

BEKANNTER MOTOR-/AKKU-HERSTELLER 32%

LEICHTES GEWICHT 23%

FEDERUNG 20.5%

ÄSTHETIK / DESIGN 20.3%

AKKUINTEGRATION IM RAHMEN 17.6%

BELEUCHTUNG / STVZO-ZULASSUNG 16.5%

KOMFORT 16.2%

LEISES ANTRIEBSSYSTEM 15.4%

OPTISCH SOLLTE DAS E-BIKE WIE EIN NORMALES FAHRRAD WIRKEN 12%

BEKANNTE MARKE (Z. B. CUBE, HAIBIKE) 11.8%

KEINE, HAUPTSACHE ES FÄHRT SICH GUT UND / ODER GEFÄLLT MIR 4.9%

INNOVATION (Z. B. NEUESTES MODELL) 3.4%

SONSTIGES: HOCHWERTIGE KOMPONENTEN 0.3%

Quelle: Fahrrad XXL 

Deutscher Fahrradmarkt auf Rekordniveau

Der Markt für die Fahrradbranche in Deutschland läuft rund, denn die vom Zweirad-Industrie-Verband (ZIV) und dem Verband des Deutschen Zweiradhandels e.V. (VDZ) vermeldeten Umsatz- und Absatzzahlen bewegen sich 2019 erneut auf Redkordniveau. Der Verkauf an Fahrrädern und E-Bikes (in Stück) lag mit 4,31 Mio. Einheiten 3,1% über dem des Vorjahresniveaus (plus 130.000 Stück).

Auch der Durchschnittspreis der je Rad/Bike ausgegeben wurde, stieg um fast ein Drittel. Demnach gab jeder Kunde - über alle Vertriebskanäle hinweg - durchschnittlich 982 Euro pro Fahrrad bzw. E-Bike aus, was im Vgl. zu 2018 eine beachtliche Steigerung von 30% entspricht. Dies ist sowohl dem wachsenden Anteil hochpreisiger E-Bikes als auch dem gestiegenen Qualitätsbewusstsein geschuldet.

Der Umsatz von Fahrrädern und E-Bikes steigerte sich von 3.16 Mrd. Euro (2018) auf 4,23 Mrd. Euro (Plus 34%) im Jahr 2019. Addiert mit dem Komponenten- und Zubehörbereich belief sich der Gesamtumsatz auf ca. 7 Mrd. Euro.

E-Bikes auf exponentiellem Wachstumskurs

Die Verkaufsbilanz von Rädern mit bzw. ohne Hilfsmotor weist zunehmend eine divergente Entwicklung auf. Während hinsichtlich der Modellgruppenaufteilung am Gesamtmarkt (nach Stück), City-/Urban, Trekking, MTB sowie Holland- und Tourenrad rückläufig sind, trumpft die Kategorie der E-Bikes mit üppigen Steigerungsraten auf. Der Zweirad-Industrie-Verband verzeichnete 2019 gegenüber dem Vorjahr mit 1.36 Millionen in Deutschland verkauften Exemplaren einen mengenmäßigen Zuwachs von rund 39%. Das exorbitante Wachstum der e-bike-Sparte glich unter dem Strich nicht nur die schwächelnde Nachfrage der "klassischen" Fahrräder (-7,8%)  aus, sondern sorgte sogar für ein Plus von 3.1% des stückzahlenmäßigen Gesamtabsatzes der Fahrradindustrie.

"Kannibalisierungseffekt" innerhalb der Modellgruppen

Dass die Fahrradindustrie sich auf einem ungebremsten Wachstumskurs befindet verdankt sie maßgeblich dem enormen E-Bike-Nachfrageschub. Schon seit geraumer Zeit fungiert die E-Bike-Sparte als echter Innovationstreiber und zentraler Wachstumsmotor der gesamten Zweiradbranche. Wenig Wunder, denn immer mehr Menschen fahren mit großer Begeisterung auf Räder mit elektrischem Hilfsmotor ab, was den mengenmäßigen Absatz erstmals über die Millionenhürde katapultierte. Die reizvolle Attraktivität der E-Bikes spricht Anhänger querbeet durch alle Gesellschaftsschichten und Altersgruppen an. Da der Elektroantrieb zwischenzeitlich in fast allen Modellgruppen vertreten ist, erweitert es das Produktportfolio dieser Sparte ungemein. Vom e-Trekkingrad über e-Lastenrad, e-Mountainbike, e-Faltrad bis hin zum e-Rennrad ist elektrische Unterstützung verfügbar.

Der Anteil von E-Bikes am Gesamtmarkt ist 2019 auf 31,5 % angestiegen, d.h. fast jedes dritte verkaufte Fahrrad/Bike verfügt inzwischen einen Elektromotor. Zum absoluten Verkaufsschlager zählen E-Mountainbikes. Ob Enduro, Fatbike, Cross-Country oder Women-Bikes – so ziemlich alle Modelle werden mittlerweile mit E-Bike-Power angeboten. 

Der Verdrängungswettbewerb macht sich am stärksten bei Mountainbikes und Lastenräder bemerkbar, da diese weitaus häufiger mit als ohne Motor verkauft werden. Zweifellos geht der e-Hype zu Lasten der klassischen Räder ohne Elektroantrieb. Gemessen am Gesamtmarkt schrumpfte der Anteil konventioneller MTB's von 6,5 % auf 5%. Der "kanibalisierende" Effekt des e-Trends gräbt dem klassischen Mountainbike verstärkt das Wasser ab, weshalb diesem Segment schon bald ein dezimiertes Nischendasein droht. Ein Blick auf die Verkaufskurven mit/ohne Motor verdeutlicht die gegenläufige Entwicklung der beiden Antriebskonzepte. Der Kurvenschnittpunkt (Patt 50/50) vollzog sich 2019, wobei das rasende Wachstum modellspezfischer e-Bikes in der Statistik ihren Niederschlag findet: Denmnach wurden fast 63 Prozent aller MTBs bzw. knapp 72 Prozent aller Lastenräder in der motorisierten Variante gekauft. Da sich also nur noch 37% der Mountainbiker für ein "Analog-Bike" entschieden zeigt wie stark sich die Schere auseinander spreizt. Einzig in den anderen Kategorien liegt das „Analog-Bike“ aktuell noch vorn. So kann sich das klassische Rennrad konstant mit 3,5 Prozent am Gesamtmarkt behaupten, wobei allerdings der Gravelbike-Trend die Radgattungsstatistik schönt.

Abgesehen von zahlreichen Neueinsteigern (gut zwei Drittel greifen zum e-bike) kommen etablierte/konditionierte Mountainbiker peau a peau in ein fortgeschrittenes Lebensalter, bei dem der Fahrspaß (besonders im anspruchsvollen Terrain) hauptsächlich mit e-Power länger aufrecht erhalten bleibt. Insofern arbeitet die Zeit unaufhaltsam für die "Stromer".

Die Zunahme von elektrifizierten Lasten- bzw. Cargorädern ist bemerkenswert. Eine spezielle Fahrzeugkategorie, die einen wichtigen Beitrag für den gewerblichen wie privaten Lastentransport leistet. Mit einer Stückzahl von rund 54.400 beträgt ihr Anteil 4 % aller E-Bike-Verkäufe. 

 Wen der relativ hohe Anschaffungspreis von E-Bikes abschreckt, kann als Arbeitnehmer alternativ auf ein erschwingliches „Dienstfahrradleasing“ zurückgreifen und damit obendrein steuerliche Vorteile geltend machen.

Wie eine Umfrage von IfD Allensbach (2019) ergab, gibt es inzwischen mehr aktive Mountainbiker als aktive Fußballer in Deutschland. Demzufolge fahren 3,74 Mio häufig bzw. 11,52 Mio gelegentlich Mountainbike, währenddessen 3,17 Mio häufig bzw. 10,94 gelegentlich Fußball spielen. Somit hat sich Mountainbiking zum Breitensport mit bundesweit gut 15 Millionen Anhängern entwickelt, was im übrigen auch die Deutsche Initiative Mountainbike (MTB-Dachverband) bestätigt.

Die Gründe für den anhaltenden E-Bike-Boom sind vielschichtig. Ausschweifende Modellvielfalt - verbunden mit formschönen Rahmendesign (integratives Akku-Konzept) - vereinen gefällige Optik, Komfort und breitbandigen Einsatzzweck - zu einem unwiderstehlichen Lifestyle-Produkt. Die konsequente Weiterentwicklung der Antriebs- und Batterietechnologie (größere Reichweite, geländespezifische Fahrmodis, Apps etc.) sowie innovative Technik dürfte bei der potentiellen Käuferschicht den "Will-Haben-Reflex" noch mehr wach kitzeln. Zudem liegt der praktische Nutzen auf der Hand, denn selbst für untrainiertere Personen sind längere / bergigere Wegstrecken bzw. höhere Durchschnittsgeschwindigkeiten ohne weiteres möglich. Sowohl in Städten als auch auf dem Land eröffnen sich völlig neue Mobilitätsoptionen. Für Radtouren bzw. Bike-Urlaube ist der erweiterte Aktionsradius - ohne ständig auf topographische Hindernisse achten zu müssen (vorausgesetzt man verfügt die erforderliche Fahrtechnik) - sowieso ein Segen.

Allgemein betrachtet spielt der Klimawandel, gestiegenes Umweltbewusstsein und Mobilitätswende der Zweiradbrance zusehenst in die Karten. Durch die Diskussionen über Treibhausgase wie Kohlendioxid (CO2), Feinstaub und Stickoxide steigt der Druck auf die Politik und Kommunen ihre jahrzehntelange Förderung des motorisierten Individualverkehrs einzuschränken und künftig mehr in eine verbesserte Radwege-Infrastruktur zu investieren. Sowohl in Städten als auch auf der Kurzstrecke ist das Rad die bessere - weil gesündere, günstigere und meist sogar die schnellere Alternative - gegenüber dem emissionsbehafteten Automobil.

Der Fahrradbestand (inkl. E-Bikes) wuchs nach Einschätzung des ZIV 2019 auf ingesamt 75,9 Mio. Stück, wobei der darin enthaltene Anteil an E-Bikes auf rund 5,4 Mio. Einheiten geschätzt wird.

Fahrradgattungen


Der Anteil der Modellgruppen innerhalb der Kategorie E-Bike (nach Stück) schlüsselt sich wie folgt auf:

  • E-Trekking 36%
  • E-City-/Urban 31%
  • E-MTB 26,5%
  • E-Lastenräder 4%
  • schnelle E- Bikes 0,5%
  • erstmalig E-Rennräder 0,5%
  • E-Sonstige 1,5%

Abgesehen vom Gesundheitsstreben, Fitnesswelle und gestiegenem Umweltbewusstsein führt der ZIV für den E-Bike-Boom folgende Gründe an: „Hohe Modellvielfalt in allen Produktkategorien, herausragendes Design, innovative Weiterentwicklung in der Antriebs- und Batterietechnologie (Stichwort: Integration) sowie interessante, neue Geschäftsmodelle rund um das E-Bike (z.B. Leasing, Cargo oder Bikesharing).“

Anmerkung: Der Zweirad-Industrie-Verband e.V. (ZIV) ist die nationale Interessenvertretung und Dienstleister der deutschen und internationalen Fahrradindustrie. Dazu gehören Hersteller und Importeure von Fahrrädern, E-Bikes, Komponenten und Zubehör.

Marktprognose 2020

Der Trend zum Radfahren ist nach wie vor ungebrochen. Ob in Ballungsräumen, wo Zweirad gegenüber dem staugefährdeten Auto in chronisch überlasteten Innenstädten überlegen ist, oder im Freizeit- und Touristikbereich: das Zweirad ist als umweltfreundliches Vehicle omnipräsent und aus dem Alltagsbild nicht mehr wegzudenken. 

Die Verbände der Fahrradwirtschaft BVZF, VSF und ZIV haben gemeinsam mit den Fachmedien Velobiz, SAZ Bike und Radmarkt eine Branchenumfrage zu den Auswirkungen der Corona-Krise durchgeführt. Die Ergebnisse belegen, dass die Branche zwar spürbar von der Krise getroffen wurde, dennoch herrschen überwiegend optimistische Zukunftsaussichten, sofern es nicht zu einem weiteren Lockdown oder Lieferengpässen kommt. Angesichts teils leergefegter Verkaufsräume fordern die Verbände jedoch von der Politik, für ein fahrradfreundliches Verkehrsklima zu sorgen.

Das Coronavirus machte das Fahrrad zum klaren Krisengewinner, denn Millionen von Menschen stiegen vom öffentlichen Nahverkehr auf Alternativen um - die meisten von ihnen aufs Fahrrad. Nicht ohne Grund stufte die Politik die Fahrradinfrastruktur in Deutschland als systemrelevant ein, d.h. Radläden/Bike-Shops bzw. deren Werkstätten waren vom Ladenöffnungsverbot nicht betroffen. Radläden genießen dank ihrer Werkstattleistungen einen hohen Stellenwert, da sie die Mobilität vieler Menschen gewährleisten. Demzufolge verzeichneten Radgeschäfte unvorstellbare Rekordumsätze. "Der Mai war der stärkste Monat, den die Branche jemals erlebt hat", sagte David Eisenberger vom Zweirad-Industrie-Verband (ZIV). Ihm zufolge habe ein Großteil der Hersteller die coronabedingten Einbußen wieder aufgeholt. Er gehe inzwischen davon aus, dass die diesjährigen Umsätze auf Vorjahresniveau liegen werden – gesetzt dem Fall, ein wirschaftlich desaströser Lockdown bleibt aus.

Abgesehen davon, dass viele Menschen auf das Rad umgestiegen sind, birgt der Trend zum Urlaub innerhalb des Landes für Radreisen einen weiteren Multiplikator-Effekt.

Doch wo Licht ist, ist auch Schatten, denn der Verkauf von Fahrrädern ohne Elektroantrieb fiel unter die Drei-Millionen-Schwelle (2,95 Millionen Stück) was ein Minus von knapp 8 Prozent bedeutet. Angesichts der enorm gestiegenen Radler-Frequenz kritisiert der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) den nur schleppenden Wandel bei der Infrastruktur. Schnelle Lösungen für erleichterten Radverkehr, wie beispielsweise Pop-up-Bike-Lanes (kurzfristig eingerichtete Radwege auf Straßenabschnitten, die zuvor Autos vorbehalten waren) hätten bundesweit bedauernswerterweise nur wenige Nachahmer gefunden. 

"Der Bedarf nach mehr und besseren Radwegen war schon vor Corona da – die Engpässe verschärfen sich jetzt durch den Corona-Radboom", sagte ADFC-Sprecherin Stephanie Krone.