Deutscher Limes-Radweg - Zeitreise ins Imperium Romanum

Die Würfel sind gefallen. Die Redewendung geht auf Julius Caesar, * 13. Juli 100 v. Chr. in Rom; † 15. März 44 v. Chr. zurück, als er mit den Worten "alea iacta est" seinen Soldaten die Entscheidung mitteilte, den Fluss Rubikon zu überschreiten und damit einen Bürgerkrieg zu entfachen. Bei der 44. Sitzung des UNESCO-Welterbekomitees, das vom 16. - 31. Juli 2021 im chinesischen Fuzhou tagte, wurden der rund 400 km lange Niedergermanische Limes als auch der westliche Abschnitt des Donaulimes (600 km) für das „Transnationale Welterbe Grenzen des Römischen Reiches“ aufgenommen. Somit gehören nunmehr fünf Sektoren des römischen Grenzverlaufs zum UNESCO-Welterbe. Neben den genannten Limes-Abschnitten wurden bereits der Hadrianswall in England (1987), der Antoninuswall in Schottland (2008) und der Obergermanisch-Raetische Limes in Mittel- und Süddeutschland (2005) zum „Transnationalen Welterbe“ ernannt, das sich aktuell von den britischen Inseln über Deutschland und Österreich bis in die Slowakei erstreckt. 

Der lateinische Begriff "Limes" lässt sich mit „Grenzweg“, "Grenzwall" oder „Schneise“ übersetzen.

Bild: Skulptur im Römerpark Ruffenhofen (Landkreis Ansbach) 

Der Obergermanische Limes, als Ostgrenze der Provinz Germania superior verläuft vom Rhein zum Main (Rheinland-Pfalz und Hessen), während sich der Raetische Limes vom Main zur Donau erstreckt und damit die Nordgrenze der römischen Provinz Raetia markiert (Baden-Württemberg und Bayern).

 Streckencharakteristik

Während der Deutsche Limes-Wanderweg exakt über den historischen Limes führt, ist der Deutsche Limes-Radweg hinsichtlich der Fahrbarkeit (Bodenbelag/Topographie) zwangsläufig auf Rad- Forst- Flurbereinigungs- und Schotterwege - aber auch Straßen angewiesen. Um dem Limes dennoch möglichst nahe zu bleiben, ergibt sich ein regelrechter Zickzackkurs. Der Limes führte in einer möglichst direkten Linie (aneinandergereihte, richtungsändernde Geraden) über strategisch wichtige Landschaftspunkte, weshalb er oftmals Höhenrücken und Flusstäler quert. Daraus resultieren je nach Geländeform teils enorme Höhenunterschiede, welche sich unmissverständlich im Höhenprofil widerspiegeln. Fahrtechnisch ist die Route weit weniger anspruchsvoll als der konditionell betrachtet, wenngleich manches (Schotter-) Gefälle oder durchnässter Waldboden einen vorsichtigen und konzentrierten Fahrstil verlangen. Überschreitet das Tagespensum nicht das Leistungsvermögen (Kraftausdauer), so ist der Deutsche Limes-Radweg grundsätzlich für Jedermann/Jederfrau/Familien/Senioren befahrbar.

Da der Deutsche Limes-Radweg einen Streckenmix (Ø Radwege 32 %, Unbefestigt 18 %, Verkehrsstraßen 5 % sowie Forst- und Flurbereinigungswege) aufweist, eignen sich dafür robuste (geländetaugliche) Radgattungen wie Tourenräder, Trekkingbikes, Mountainbikes, E-Bikes, Gravelbikes) mit widerstandsfähiger Pannenschutz-Bereifung.

Bild: Kastell Abusina, Eining an der Donau (Landkreis Kelheim, Niederbayern)

Wachsender Naturnutzerdruck macht sich auch auf Radwegen bemerkbar. Insbesondere einschlägig bekannte "Klassiker-Routen" weisen in Zeiten des ausufernden Inlandurlaub-Trends sowie des Zweiradbooms mitunter eine hohe Radlerfrequenz auf. Umso stärker entwickelt sich das Bedürfnis, Touristentrubel bzw. überlaufenen Ausflugszielen aus dem Weg zu gehen. Diesbezüglich schlägt der Deutsche Limes-Radweg gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe. Fernab von Ballungsräumen schlängelt sich die Route entlang der linearen Römergrenze durch dünn besiedelte Landstriche, wo man kaum einer Menschenseele begegnet, zumal für's "Fußvolk" ohnehin die separat beschilderte Limes-Wanderwegroute zur Verfügung steht. Der abwechslungsreiche, landschaftliche Hochgenuss durch abgeschiedene Naturregionen steht außer Frage. Hinzu kommt die faszinierende Geschichte der Römer, dessen kulturhistorischer Aspekt diesem Themenradweg allenthalben einen tieferen Sinn verleiht. Zu den rekonstruierten oder konservierten römischen Zeugnissen gehören Kastelle, Badeanlagen, Limestürme mit Teilen der römischen Grenzbefestigung, Wallanlagen, Graben, Mauern, Palisaden, Skulpturen und Zivilsiedlungen. Steht der geschichtliche Gesichtspunkt im Mittelpunkt des Interesses, setzen (Römer-) Museen, Schutzbauten über römische Ruinen, archäologische Parks, Überreste römischer Villen, antike Bäder- und Thermenanlagen sowie viele Informations-Schautafeln der (Etappen-) Radtour gleich mehrere Sahnehäubchen obendrauf.  

Bild: Römerfest im Burgstallwald Gunzenhausen

Selbst zweitausend Jahre nach ihrem ersten Auftreten in unseren Breiten und rund 1500 Jahre nach ihrem Rückzug, hat die Zeit der Römer nichts von ihrem glanzvollen Ruhm und erhabenen Pathos eingebüßt. Dabei halten Römerfestivitäten, Römermärsche, Römertage und Römerspiele (z.B. Leben wie die alten Römer) die Erinnerung an das mondäne Römische Reich wach. Vieles was mit Römern zu tun hat stösst bis heute immer noch auf großes Interesse. Dies reicht bis zur beliebten Asterix-Comicserie von Autor René Goscinny und Zeichner Albert Uderzo, die die Geschichte der Gallier (Gallien umfasste das heutige Frankreich, Belgien, Teile Westdeutschlands sowie ein nordwestliches Drittel der Schweiz und Norditalien) und der Römer humorvoll aufgreift und deren Abenteuer zum Teil verfilmt wurden. Der witzige Spruch von Obelix: „Die spinnen, die Römer!“ wo er sein Unverständnis über die Handlungen der römischen Legionäre zum Ausdruck bringt, fand sogar Eingang in den umgänglichen Sprachgebrauch. Andererseits würden sich heute wohl die Römer über uns wahrscheinlich genauso über die Nachfahren der Germanen wundern, weil sie ganz nach Römer Sitte Gewaltmärsche unternehmen, sich kleiden wie die Römer und theatralische (Kampf-) Szenen wie beispielsweise das beeindruckende Schauspiel der "Cohors IX Batavorum" (Schauplatz LIMESEUM/Römerpark Ruffenhofen, Region Hesselberg in Mittelfranken) nachstellen. Ganz schön sonderbar diese Germanen:-)

Der Obergermanisch-Raetische Limes – seit 2005 Welterbe - ist durch die „Deutsche Limesstraße“, den Deutschen Limes Wanderweg und dem Deutschen Limes Radweg touristisch erschlossen. So kann jeder auf seine Weise die antiken Überreste von Grenzanlagen, Badeanstalten (Thermen) und Kastelle entdecken, welche in akribischer Arbeit unter wissenschaftlicher Anleitung freigelegt bzw. aufwendig rekonstruiert wurden. Dazu gehören z.B. Grundmauern ziviler Siedlungen, Mauerfundamente oder beispielsweise die pompösen Thermenanlagen neben dem Reiterkastell Biriciana in Weißenburg i. Bay. Mancherorts wurden die Relikte originalgetreu wiederaufgebaut. Im sogenannten Pompejanum in Aschaffenburg (Nachbau eines pompejanischen Hauses durch König Ludwig I. Mitte 19. Jahrhundert) wird augenscheinlich, welch wohlhabende römische Bürger als Stadtbewohner einst hier gelebt haben. 

Was bewegte die Römer - dessen Römisches Reich (lateinisch Imperium Romanum) vom 8. Jahrhundert v. Chr. bis ins 7. Jahrhundert n. Chr.  bestand - ihren machtpolitischen Einfluss auf halb Europa bzw. Nordafrika auszudehnen? Vermutlich war es wohl eine Mischung aus Großmachtstreben, wirtschaftliche und sicherheitspolitische Interessen sowie der Bedarf an Rohstoffen. Um die Gebiete unter römischer Verwaltung vom "finsteren" Barbarenland zu trennen bedurfte es den Grenzbefestigungen, die sich bis ins heutige Schottland („Hadrian’s Wall“) bzw. nach Syrien („limes arabicus“) ausdehnten.

Unter dem römischen Kaiser Titus (79-81 n. Chr.) und Domitian (81-96 n. Chr.) überschritten die römischen Truppen die Donau und legten erstmals dauerhafte Kastelle an. In den Folgejahren wurde die Grenzlinie durch weitere Kastellanlagen sowie dem Limes – eine künstliche Grenzbefestigung – geschützt. Der 160 n.Chr. errichtete Obergermanisch-Raetische Limes stellt die nördliche Grenzlinie der römischen Provinzen Raetien und Obergermanien dar. In Bayern befindet sich die nördlichste Stelle des raetischen Limes am östlichen Stadtrand von Gunzenhausen im Burgstallwald, während der nördlichste Punkt des Donaulimes die Welterbestadt Regensburg markiert.

Nimmt man den römischen Geschichsschreiber Titus Livius (59 v.Chr. bis 17 n.Chr.) beim Wort, so fällt das Gründungsdatum von Rom auf den 21. April 753 v.Chr., wonach die größte Ausdehnung des Römischen Reichs unter Kaiser Trajan (57-113 n.Chr.) erfolgte, die den gesamten Mittelmeerraum umfasste. Deshalb nannten die Römer das Meer ganz bescheiden „Mare nostrum“, was nicht weniger als „unser Meer“ bedeutete. Auch das Sprichwort: "alle Straßen führen nach Rom" untermauert die unerschütterliche Weltanschauung, dass Rom als Nabel der Welt begriffen wurde. Legt man das Jahr 1453 als Ende des Imperiums (geknüpft am Zerfall von Byzanz) fest, so existierte das Römische Reich sage und schreibe 2.206 Jahre. Keine andere Stadt in der Welt stand von der Antike bis zur Gegenwart in so enger Beziehung zum heutigen Europa wie die "Ewige Stadt" mit ihrer drei Jahrtausend alten wechselvollen Geschichte. Die antike Metropole des Imperium Romanum strahlte ihre Einflußsphäre als politisches und kulturelles Zentrum über drei Kontinente hinweg. Ob geistig, religiös, politisch, künstlerisch oder kulinarisch - Rom übte als Machtzentrum bzw. Sitz des Papstes auf Europa kolossalen Einfluss aus. Es ist schon bezeichnend, dass lateinische Buchstaben, Bezeichnungen, Redewendungen oder Inhalte aus dem Rechts- und Staatwesen in vielen Ländern Europas bis heute erhalten blieben.

Bild: Limes-Wachturmnachbau nahe Burgsalach (mittelfränkischer Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen).

Der Deutsche Limes-Radweg hat sich dem „Transnationalen Welterbe Grenzen des Römischen Reiches“ verschrieben. Auf weiten Strecken schwingt man einsam die Kurbel durch verborgene Naturschauplätze und folgt dem Grenzverlauf, um sich den sichtbaren wie unsichtbaren Zeugnissen der römischen Zeitgeschichte zu widmen. Wer sich dafür interessiert und eine sportliche Herausforderung nicht scheut, der wird mit dem Deutschen Limes-Radweg seine wahre Freude haben. Auf den Spuren der römischen Hochkultur folgt die Route zwischen Bad Hönningen im Landkreis Neuwied (Rheinland-Pfalz) und der Dreiflüssestadt Passau (Bayern) entlang der einstigen Grenze der römischen Provinzen Raetien und Obergermanien. Der Grenzwall tangiert häufig strategische Geo-Punkte, weswegen er im Zickzackkurs vorzugsweise Höhenrücken passiert. Ganz im Gegensatz hierzu weisen die (natürlichen) Flussgrenzen am Rhein und der Donau (mit Ausnahme zwischen Weltenburg und Kelheim) durchwegs eine flache Topographie auf.

Bild: Limes-Wachturmnachbau nahe Kipfenberg

Der Obergermanisch-Raetische Limes verlief damals mitunter durch sehr unwegsames Gelände. 55 v. Chr. setzten erstmals die Truppen von Gaius Iulius Caesar über den Rhein, wobei die Truppenbefehlshaber damals nicht im entferntesten ahnten, dass die eroberten Gebiete rund fünfhundert Jahre lang zum Römischen Reich gehören sollten. Die einstmals von germanischen Stämmen besiedelte Region wurde vornehmlich im Süden des heutigen Deutschlands im Laufe der Zeit römisch kultiviert. Eine Vielzahl archäologischer Funde - angefangen von Pflasterstraßen über herrschaftliche Gutshöfe bis hin zu Städtegründungen - gehen auf diese Epoche zurück. So ist dem Nachfolger von Gaius Julius Caesars - dem ersten römischen Kaiser Augustus (Gaius Octavius 63 v. Chr.–14 n. Chr.) die Gründung von Augusta Treverorum, dem heutigen Trier zu verdanken. Um 15 v. Chr. erfolgte durch seine Stiefsöhne Drusus und Tiberius, den späteren Kaiser „die Unterwerfung der Alpenstämme und die Besetzung des nördlichen Alpenvorlandes“. Im Nordosten der Alpenregion entstand zu dieser Zeit die Provinz Raetia, wo z.B. aus dem angelegten Militärlager Augusta Vindelicum viele Jahre später die Stadt Augsburg hervorging. Um das Jahr 85 n. Chr. errichtete Domitian die Provinzen Germania superior (Sitz des Statthalters war Mogontiacum, das heutige Mainz) und Germania inferior, dessen Hauptstadt Colonia Claudia Ara Agrippinensium, das heutige Köln war. Auch die Entstehungsgeschichte der Welterbestadt Regensburgs lässt sich auf den Bau eines Kohortenkastells 79 n. Chr. im heutigen Stadtteil Kumpfmühl zurückführen. Einhundert Jahre später errichteten die Römer am Regenufer zur Sicherung der Grenze gegen die Germanen das Legionslager <Castra Regina> (6000 Soldaten). Letztlich belegen historische Fakten, dass schon lange vor Gründung vieler Städte in Deutschland eine Besiedelung vorausging, die auf römischen Wurzeln fußt.  

Bild: Kastell Biriciana (Rekonstruktion) in Weißenburg, Fränkisches Seenland (Mittelfranken).

Ab 120 n. Chr. wurde der etwa 548 Kilometer lange Obergermanisch-Raetische Limes (Trockener Limes) zwischen dem Rhein bei Rheinbrohl und dem Kastell Eining errichtet. Der Grenzwall umfasste etwa 900 Wachtürme sowie 120 größere und kleinere Truppenlager. Nahtlos fügte sich der Donaulimes an - dessen Fluß die natürliche Grenze der Provinzen Noricum und Pannonien gegen Norden bildete (Nasser Limes). So entstanden entlang der Donau bis nach Wien zahlreiche Legionslager. Erst massive kriegerische Aufstände der germanischen Stämme vermochten im 5. Jahrhundert n. Chr. die römische Vormachtsstellung zu beenden, wonach das Weströmische Reich dem Untergang geweiht war. 

Bild: Teilnachbau eines Wachturms in Mönchsroth, Landkreis Ansbach, Mittelfranken.

Der Deutsche Limes-Radweg bietet im wahrsten Sinne des Wortes Geschichte zum Anfassen. So können zahlreiche Museen, Ausstellungen, Limesfeste als auch Rekonstruktionen und Überreste von Kastellen und Wachttürmen besucht und bestaunt werden, um sich mit der antiken Römerzeit hautnah auseinanderzusetzen. Traditionelle Limesfeste vieler Orte zeugen bis in die Gegenwart hinein von einer lebendigen tiefen Verbundenheit mit ihrem geschichtlichen Erbe.

Bild: „Burgus“ bei Burgsalach (mittelfränkischer Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen)

Die Strecke verläuft überwiegend auf Rad- Wald- und Flurbereinigungswegen sowie auf kaum befahrenen Nebenstraßen durch Rheinland-Pfalz, Hessen, Baden-Württemberg, Bayern mitten durch fünf Naturparks hindurch. Der Deutsche Limes-Radweg schlängelt sich entlang des ehemaligen römischen Grenzwalls vom Rhein zur Donau, dessen Flussverlauf den "nassen" Limes markiert. Ständig wechselnde Landschaftseindrücke - gepaart mit Ausgrabungsstätten sowie rekonstruierten Bauten römischer Kultur - pflastern buchstäblich den 970 Kilometer langen Weg. Die Fernradwegroute entlang des UNESCO Weltkulturerbe »Obergermanisch-Raetischer Limes« weist von Rheinbrohl (Rheinland Pfalz) bis zum Kastell Abusina in Eining an der Donau (Bayern) eine Teilstrecke von 762 Kilometer auf, von wo der Themen-Radweg dem UNESCO Weltkulturerbe »Donaulimes« auf einer Länge von 208 Kilometer nach Passau folgt. Über 100 Kommunen, Landkreise, Städte und Tourismusverbände haben sich in vier Bundesländern mit dem Ziel zusammen geschlossen, den Limes als archäologisches Denkmal von welthistorischer Bedeutung ins Bewusstsein einer breiten Öffentlichkeit zu rücken.

Bild: Schauspiel der "Cohors IX Batavorum", das regelmäßig vor dem LIMESEUM Ruffenhofen in der Region Hesselberg (Landkreis Ansbach) aufgeführt wird.

Abgesehen von der spannungsgeladenen Geschichte macht auch der abwechslungsreiche Routenverlauf absolut Laune. Mit anderen Worten: "Der Weg ist das Ziel" (Zitat vom chinesischen Philosophen Konfuzius, 551 vor Chr.). Die reizvolle Naturlandschaft, welche sich vom Rhein über den Westerwald, Hochtaunus, Rheingau-Taunus, die Wetterau, Maintal, Odenwald, Schwäbisch Fränkischer Wald, die Schwäbische Alb, das Romantische Franken, das Fränkische Seenland und dem Naturpark Altmühltal sowie entlang der Donau über den Bayerischen Jura und das Bayerische Golf & Thermenland bis zur Dreiflüssestadt Passau erstreckt, hält die Sinne laufend auf Trab. Hinzu kommen malerische Orte, Burgen und Schlösser die zur Stipvisiste einladen. Wer sich achtsam auf die Spurensuche begibt und dem Limes folgt, der wird von der Natur inspiriert und kann zudem sein Wissen über die römische Kultur & Geschichte anreichern.

In traumhaft schöner Naturkulisse radelt man abseits von Verkehrshektik und Tourismustrubel entspannt dahin, passiert liebliche Landstriche, duftende Waldgebiete, verträumte Dörfer, altertümliche Städtchen und folgt den Wegweisern zu überwältigenden Zeugnissen der römischen Hochkultur. Auch wenn dabei Steigungen ab und an ihren Schweißtribut einfordern, so machen herrliche Aussichtspanoramen die Anstrengung danach wieder wett.

Die enorme Streckendistanz erfordert eine leistungsabhängige Etappeneinteilung nach individuellen Gesichtspunkten. Wer den geschichtlichen Background würdigt, benötigt Zeit und Muße. Das Begutachten der historischen Relikte sowie das Verinnerlichen der Geschehnisse anhand informativer Schautafeln verschlingt jede Menge an Zeit. Das Tagespensum hängt also davon ab, wie inwieweit man sich mit den geschichtlichen Themen beschäftigt.

Bild: Ausschnitt einer Fotomontage (meterlange Schautafel im Römerpark Ruffenhofen)

So entspannend wie sich die Naturlandschaft bisweilen auf dem Deutschen Limes-Radweg zeigt, so aufregend spektakulär steht die epochale Geschichte des Römischen Reichs (lateinisch Imperium Romanum) im Kontrast zueinander. Sprichwörtlich an allen Ecken und Enden erinnern Zeugnisse an das einstige römische Imperium, wenngleich auch vieles unsichtbar im Boden schlummert. Im Bewusstsein dessen wächst auf Schritt und Tritt der Wissensdurst. Man fühlt sich in eine glorreiche Zeit zurückversetzt, dessen Vorstellungskraft unweigerlich die Phantasie anregt. Einerseits so fern, anderseits zum Greifen nah - ein prickelnd-fesselndes Flair, das nicht wenige Limesradler emotional in den Bann zieht.

Bild: Badegebäude im Kastell "Iciniacum" in Theilenhofen (Gemeinde Pfofeld am Brombachsee) im Fränkischen Seenland (Mittelfranken).

Bild: Kastell Abusina, Eining (Landkreis Kelheim, Niederbayern)

Der Welterbestatus des Niedergermanischen Limes erstreckt sich auf 44 archäologische Fundplätze, darunter Kastelle, Legionslager und der Statthalterpalast in Köln. Im Gegensatz zum Obergermanisch-Raetischen Limes handelte es sich beim Niedergermanischen Limes um eine nasse Grenze: Während der Obergermanisch-Raetische Limes über Land verlief und die Grenze in Form von Wällen, Gräben und Mauern markierte, bildete beim Niedergermanischen Limes der Rhein - zusätzlich gesichert durch Militäranlagen - eine natürliche Grenze, was im übrigen auch für den Donaulimes gilt, dessen westlicher Abschnitt von Deutschland, Österreich und der Slowakei neuerdings auch den begehrten Welterbetitel trägt. Ingesamt 77 Stätten, darunter militärische, wie auch zivile Spuren römischen Lebens, beispielsweise Bäder und Amphitheater, gehören nun zum Welterbe.

Sowohl am Niedergermanischen als auch am Donaulimes vermitteln Museen anhand beeindruckender Funde ein authentisches Bild vom römischen Leben. In Deutschland zählen hierzu beispielsweise das Römisch-Germanische Museum in Köln, das LVR-RömerMuseum in Xanten (Nordrhein-Westfalen), das LIMESEUM / Römerpark Ruffenhofen (Landkreis Ansbach, Mittelfranken), das Historische Museum in Regensburg (Oberpfalz), das Gäubodenmuseum in Straubing (Niederbayern) sowie das Römermuseum Kastell Boiotro in Passau (Niederbayern).

Auf insgesamt 970 Kilometern - davon 364 Kilometer auf dem Raetischen Limes sowie Donaulimes in Bayern - kann man sich ausgiebig der ereignisreichen Geschichte des Römischen Reiches widmen, zumal bei der Routenführung besonderer Wert auf die unmittelbare Nähe zum Limes gelegt wurde bzw. der Radweg sogar teilweise mit dem Limesverlauf identisch ist. Wird der Abschnitt des "Mainlimes" von Aschaffenburg bis Miltenberg (45 km) und weiter nach Schneeberg (13 km) zur Bundeslandesgrenze Baden Württemberg / Bayern einschließlich der 25 km langen Fortsetzung von Passau zum Donaukraftwerk Jochenstein (Landesgrenze Oberösterreich) hinzu gerechnet, dann summiert sich der gesamtbayerische Anteil des Deutschen Limes-Radweg auf insgesamt 447 Kilometer. 

 Nachdem der Niedergermanische Limes (nasse Grenze von Rheinland-Pfalz bis zur Nordsee) am 27. Juli 2021 zum Weltkulturerbe ernannt wurde, steht dem Deutsche Limes-Radweg aller Voraussicht nach 2022 eine Verlängerung um rund 500 Kilometer in Aussicht. Der Niedergermanische Limes bezeichnet die ehemalige Grenze zwischen den römischen Provinzen »Germania inferior« und »Germania magna«, der den linksrheinischen Teil des Rheinlands sowie der Niederlande die einst zum Römischen Reich gehörten (römische Provinz Niedergermanien) und von den kaum kontrollierten rechtsrheinischen Gebieten - dem sogenannten freien Germanien - abtrennte. Das Welterbe setzt sich aus 44 Bestandteilen von Rheinland-Pfalz bis ins niederländische Katwijk zusammen und erzählt von der mehr als 400 Jahre andauernden römischen Entwicklung im Norden des einstigen Imperiums.

Gegenwärtig gilt die Tour de Brandenburg (Rundtour) mit 1.111 Kilometer als längster Radweg Deutschlands. Der Deutsche Limes-Radweg (970 km), Rheinradweg (900 km) und Elberadweg (840 km) gehören ebenfalls zu den längsten Fernradwegen in unserem Land. Wird der Deutsche Limes-Radweg um den Niedergermanischen Limes ergänzt, wächst die Streckenlänge von der Nordseeküste bis zur Landesgrenze zu Österreich auf annähernd 1.500 Kilometer. Ein gewaltiges Pensum, wobei man sich die Vorgehensweise der Pilgerer auf dem »Camino de Santiago « zum Vorbild nehmen kann, die sich die ca. 2.800 km lange Wegstrecke des Jakobswegs bedürfnisorientiert einteilen.

Fazit: Geschichtsinteresse vorausgesetzt, vermag die Epoche der Römer Bewunderung auszulösen. Hinzu kommt die landschaftliche Vielfalt, die man als Radfahrer weitestgehend allein und naturnah genießen kann. Einer inspirativen und spannungsgeladenen Entdeckungsreise steht also nichts im Wege. Und zwar unabhängig davon, welcher Streckenabschnitt auserkoren wurde bzw. wo man sich von Neugierde getrieben auf "Spurensuche" begibt. Mit anderen Worten: die Top 1 unter den Themenradwegen in Deutschland bietet in jeglicher Hinsicht ein unerschöpfliches Erlebnispotential. Also, worauf warten und über Ziele lange nachzugrübeln? Rauf auf den Sattel und mit geballter Vorfreude und Elan hinein in die Landschaftsidylle und ins Geschichtsvergnügen. Das Erbe der Römer ist wahrhaft lebendig geblieben, was die Ernennung zum UNESCO-Weltkulturerbe unterstreicht.