Inhaltsverzeichnis
1. »Zweiradcenter Stadler MTB-Cup« am 26.06.2022
Bereits in den 90er Jahren wurden in Regensburg Mountainbike Rennen veranstaltet. Damals war noch nicht absehbar, welch gigantische Entwicklung der MTB-Sport einschlagen würde. Doch dann versank das Engagement für Wettkampfveranstaltungen in der Region zunächst im Dornröschenschlaf, bevor 2019 im Biketeam-Regensburg e.V. die Idee eines Mountainbikerennens aufkeimte. Allerdings wurden mit einem Schlag alle Vorbereitungen zu nichte gemacht, als ab Januar 2020 das Coronavirus zu wüten begann. Es vergingen zwei weitere Jahre bis am 26.06. 2022 der »Zweiradcenter Stadler MTB-Cup« das Licht der Welt erblickte.
![]() |
| © Patrick Itter |
Kaum war die Premiere des 1. »Zweiradcenter Stadler MTB-Cup« 2022 mit packenden Rennen und knisternder Race-Atmosphäre über die Bühne gegangen war klar, dass die Feuertaufe bravourös gelungen war. Das Orgateam um den 1. Vorstand Christian Spicker hatte trotz fehlender Erfahrungswerte ein erstklassig organisiertes Event auf die Beine gestellt. Der abwechslungsreiche Race-Parcour, dazu Top-Organisation und ausgelassene Race-Atmosphäre drückte dem »Zweiradcenter Stadler MTB-Cup« seinen Stempel auf. Der Anfang war gemacht, d.h. die "Saat" war ausgebracht, worauf es sich vorzüglich aufbauen ließ. Leistungsstarke Elitefahrer, ambitionierte Hobby-Racer, ehrgeizige Nachwuchsfahrer bis hin zu den jüngsten Startern im Alter von 5 bis 14 Jahren gaben alles und sorgten für spannende Rennen. Bei der Siegerehrung winkten in den einzelnen Wertungsklassen jede Menge Sachpreise.
Belastungsmerkmale
Mentale Belastung
Cross-Country-Rennen sind ein adrenalingeladenes Spektakel, das Kraft, Ausdauer und Geschicklichkeit miteinander vereint. Dabei spielen motorische Fähigkeiten aus denen sich Körperbewegungen zusammensetzen eine entscheidende Rolle: Ausdauer, Kraft, Schnelligkeit, Koordination und Beweglichkeit.
Im harten Wettkampf auf Tuchfühlung mit seinen Gegnern zu fighten und gleichzeitig fahrerisch alles im Griff zu haben, ist bei hoher Pulsfrequenz alles andere als easy. Die eigentliche Schwierigkeit liegt darin, über die gesamte Renndauer hinweg hoch konzentriert möglichst fehlerfrei durchzuziehen und simultan sein Leistungsvermögen vollumfänglich abzurufen. In tollkühner Fahrweise möglichst spielerisch über neuralgische Schlüsselstellen zu heizen, die Ideallinie kniffliger Stellen punktgenau zu treffen, Kurven auf der letzten Rille auszureizen, harte Bremsmanöver zu setzen, wechselnde Bodenverhältnisse zu erkennen und abgebrüht auch noch seine Gegner passend für einen Angriff zurecht zu legen erfordert allenthalben scharfsinnige Fokussierung, ausgeprägte Koordination und blitzschnelle Reaktionsfähigkeit. Kognitive Fähigkeiten (Intelligenz) die es braucht, um sich im "Haifischbecken" seiner Widersacher erfolgreich zu behaupten. Versierte Fahrtechniker fahren nicht nur schneller, sicherer und lockerer, sondern sparen zudem wertvolle Kraftressourcen. Ein Wettbewerbsvorteil, der sich vor allem gegen Ende des Rennens bemerkbar macht und letztendlich im Ergebnis niederschlägt.
Physische Belastung
Cross-Country-Rennen (25-60 km) unterscheiden sich hinsichtlich ihrer kürzeren Distanz und Dauer von MTB-Marathon-Rennen (60 -120 km), woraus sich ein verändertes Belastungsprofil ergibt. Während die Leistungsentfaltung bei Langstreckenrennen überwiegend gleichmäßig unterhalb der individuellen anaeroben Schwelle (IAS) bestritten werden, sind kürzere Cross-Country-Rennen von Leistungsspitzen oberhalb der IAS geprägt. Die aerobe Schwelle (Herzfrequenz individuell unterschiedlich, durch Training beeinflussbar) wird durchschnittlich bei 70–80 % der individuellen anaeroben Schwelle (IAS) erreicht. Der anaerober Herzfrequenzbereich liegt bei ca. 70-90% der maximalen Herzfrequenz. Übrigens: der Mountainbikesport unterscheidet sich vom Radrennsport maßgeblich durch einen deutlich höheren Krafteinsatz verschiedenster Körperpartien. Zudem gibt es keine pulsschonenden Windschattenfahrten die kurzzeitige Erholungseffekte versprechen. Ebenso weisen Abfahrten im unwegsamen Gelände wesentlich höhere Pulswerte als Abfahrten auf Asphalt auf. Je nach Schwierigkeitsgrad des Geländes treten differente Belastungsmerkmale auf.
![]() |
| © Helmut Haberger |
Neben der mentalen Beanspruchung wird bei hochintensiven Cross-Country-Rennen der Körper nahe an der Leistungsgrenze ausbelastet. Dazu bedarf es einer gehörigen Portion Schnellkraft und Ausdauer, um über die Gesamtdistanz hinweg ein hohes Leistungslevel (ca. 90% der max. HF) aufrechtzuerhalten und gleichzeitig streckenspezifische Herausforderungen zu meistern. Dazu verlangt ständiges Antreten auf verwinkelten Kursen außordentliche Beschleunigungskräfte - sprich ordentlich Bums in den Beinen. Während bei längeren Distanzen (Marathon) der rote Bereich (oberhalb der Schwellenleistung) nur in Ausnahmfällen angetastet wird, ist es bei der olympischen MTB-Disziplin üblich über einen längeren Zeitraum hinweg seine maximale Leistung - u.U. kurzfristig auch darüber hinaus - abzurufen. Andererseits gilt auch: wenn mit maximaler Herzfrequenz unter Sauerstoffmangel versucht wird an Kontrahenten Runde um Runde dran zu bleiben, zu pushen und selbst Akzente bzw. Attacken zu setzen, der begibt sich je nach Form/Leistungsniveau mehr oder weniger auf dünnes Eis. Die Crux: umso länger man im anaeroben Bereich fährt, desto mehr wird Laktat (leistungshemmende Milchsäure) ausgeschüttet, was die Muskeln übersäuert. Dies sauft die Kraft aus den Beinen und geht auf Kosten der Spritzigkeit. Gut trainierte Mountainbiker verfügen einen maximal ausgeprägten aeroben Stoffwechsel bei gleichzeitig größtmöglicher Laktattoleranz. Besonders gegen Ende des Rennens, wenn der Körper abbaut und spürbar ermüdet ist das Kraftpotenzial und die Rumpfmuskulatur entscheidend, damit die Beine trotz Dauerbelastung noch genügend Punch haben und ordentlich Druck auf's Pedal bringen.
Die Variation zwischen Konditionstraining, hochintensiven Intervall-Einheiten (HIT = High intensity Intervall Training) sowie Techniktraining zur Verbesserung der Koordination steigert die Leistungsfähigkeit auf allen Ebenen.
Wie zu erwarten, ging es beim »Zweiradcenter Stadler MTB-Cup« wieder hoch her, und stellte den Breiten- und Nachwuchssport publikumswirksam ins Rampenlicht der Öffentlichkeit. Besonders erfreulich: vereinszugehörige Kinder und Jugendliche vom Biketeam Regensburg dominierten in ihrem Home-Race die jüngeren Altersklassen. Letztlich das Resultat einer jahrelangen geduldigen Nachwuchsförderung, für die sich in erster Linie der 1. Vorstand vom Biketeam Regensburg, Christian Spicker verantwortlich zeichnet. Die Rennerfolge sind auch deshalb bemerkenswert, da es in der näheren Umgebung bislang nur in Abensberg oder Painten möglich war, Cross Country Rennen zu bestreiten bzw. erste Wettkampferfahrungen zu sammeln.

Drahtig austrainierte Elitefahrer machen aus ihrer Hochform keinen Hehl. Athletische Körper mit definierter Beinmuskulatur - gepaart mit fokussiertem Gesichtsausdruck - sind ein untrügliches Indiz über einen unbändigen Siegeswillen. Wer sich ein Race mit unerschrockenen Cracks - samt hektischen Überholmanövern - in der Elite- und Masterklasse ersparen möchte, dem steht die "Schnupper-Kategorie" offen. Hobbyisten - bekommen in der sogenannten Funklasse (verkürzte Distanz) eine reizvolle Alternative, sich unter Seinesgleichen zu messen, um nicht von Elitenfahrern in Grund und Boden gefahren zu werden.
Rückblick: Bei der Race-Premiere herrschten 31°, wobei der waldbeschattete Kurs die Hitze fern hielt. Der durchnässte Boden war von vorhergeheden Gewitterregen fast vollständig abgetrocknet, weswegen der Untergrund optimale Traktion bot. Mit der Fa. "Zeitgemaess" holte man sich bzgl. elektronischem Zeitnahme-System (Rangliste für jede Altersklasse) einen professionellen Partner ins Boot, dessen Dienstleistung von vielen regionalen Sportveranstaltern genutzt wird.
Die Premiere des »Zweiradcenter Stadler MTB-Cup« - organisiert vom Biketeam Regensburg - darf als Bombenerfolg verbucht werden. Bei bester Stimmung und strahlendem Sonnenschein ging das familiäre, top organisierte Bike-Event reibungslos über die Bühne. Geschützt vor stechenden Sonnenstrahlen war von drückender Glutofenhitze auf den Schattenplätzen am propevollen Waldspielplatz Hohengebraching sowohl für Besucher als auch die Rennteilnehmer auf dem bewaldeten Kurs nichts zu spüren.
Der - bis auf eine einzige Schlammpassage - trockene Kurs war trotz Haarnadelkurven, Wurzelpassagen, Paletten-Slalom, zwei Schürfgruben ein gebauter Palettensprunghügel und last but not least 70 Höhen- und Tiefenmeter richtig schnell. So lag der Runden-Ø in der Master-Klasse von Daniel Eyerkäufer (RSC Kehlheim) mit 26.24 km/h sogar geringfügig höher, als beim Elitefahrer Georg Andres (RSC Kehlheim). Zeit zum Durchschnaufen gab es nirgendwo, denn der verwinkelte Geländeparcour mit pfeilschnellen Abfahrten, kurzen Anstiegen, flacheren Abschnitten und hakeligen Turns forderte Runde um Runde im Vollgastempo maximalen Leistungseinsatz samt hunderprozentiger Konzentration. Wird auf der letzten Rille gefahren können geringste Unaufmerksamkeiten unvermittelt zum Verhängnis werden. Souveräne Fahrer brillieren mit brachialer Kondition, aber auch mit perfekter Motorik und Willenskraft. Cross-Country-Rennen werden bedingt durch ihre relativ kurze Zeitdauer (im Vgl. zur Marathon-Distanz) fast ständig nahe an der maximalen Pulsfrequenz gefahren also jene Leistung (anaerobe Belastungsintensität) bei der der Körper seine Energiegewinnung nicht mehr aus dem Sauerstofftransport durch das Blut decken kann. Hierbei werden Kohlenhydrate (Glukose) ohne Sauerstoffverbrauch in der Glykolyse verwertet. Problem: bei anhaltender Renndauer reichert sich Laktat an, das nach und nach den Muskel übersäuert. Doch top-fitte Fahrer sind durch beharrliches Training bzw. einer Vielzahl von Wettkämpfen in der Lage eine gewisse Laktattoleranz zu entwickeln, was letztlich wiederum die Spreu vom Weizen trennt.
In den Wertungskategorien Elite waren 7 Runden (29 km; Bestzeit 1:08:48 h), Master 6 Runden (25 km; Bestzeit 0:59.34 min.) und Funklasse 3 Runden (13 km; Bestzeit 0:32.46) zu absolvieren. Streckenmoderator Mane Seebauer - bekannt von Lauf- und Bikesport-Events - hielt das interessierte Publikum mit (Race-) Hintergrundinfos ständig am Laufenden. Der Rennmodus von Cross-Country-Rennen gibt den Takt für die Racer vor: von 0 auf 100 raus aus der Komfortzone und mit brachialem Leistungseinsatz nach vorne preschen. Ein Durchschnittspuls jenseits der 160er Schlagschwelle - wohlgemerkt über die volle Distanz - spricht Bände. "The fight against the inner bastard" übersteigt die Schmerzgrenze. Wenngleich es weh tut, funktioniert die "Race-DNA" bewußtseinsfern, d.h. man handelt nur noch intuitiv und orientiert sich am Hinterreifen des Vordermanns, sofern überhaupt noch einer da ist...
Verwinkelte Schürfgruben waren sozusagen das Salz in der Suppe, die nach einer exakten Linienwahl verlangten. Lobenswert: haarscharfe Überholmanöver erfolgten trotz glühendem Wettkampfeifer mit gebotener Fairness & Rücksicht. Nach klaren Ansagen (Rechts/Links) herannahender Kontrahenten wurde rasch Platz für Überholmanöver gemacht.
Strahlende Augen und stolz geschwellte Brust zeugten von innerer Freude. Auf dem ehrenvollen Siegerpodest herrschte im doppelten Wortsinn eitel Sonnenschein. Das Glück war perfekt.

Ausrichter des »Zweiradcenter Stadler MTB-Cup« ist das Biketeam Regensburg e.V. - unter Federführung Christian Spicker (1. Vorstand) - das u.a. auch die WeltKultTour Regensburg sowie die WKT300 veranstaltet.
Der Austragungsort befindet sich beim Wanderparkplatz an der Hohengebrachinger Straße, knapp 1 km nach Pentling (AB 93, Ausfahrt Regensburg Süd → Richtung Hohengebraching Google Maps
![]() |
| © Patrick Itter |
Eltern, Angehörige, Freunde und alle Bikesport-Fans sind aufgerufen die Akteure lautstark anzufeuern um eine prickelnde Race-Atmosphäre zu schüren. Das Ziel mit der offiziellen Zeitnahme (Zeitgemaess) befindet sich im Wald, ca. 200 Meter vom Parkplatz entfernt.
![]() |
| © Christian Spicker |
Strahlende Augen bei der Siegerehrung






