Jubiläums-WOIDMAN - 28./29. Mai 2022 ABGESAGT!

Der am 28./29. Mai 2022 geplante WOIDMAN BIKE & RUN wurde aus organisatorischen und genehmigungstechnischen Gründen abgesagt!

Der innere Schweinehund

Keiner hat ihn je zu Gesicht bekommen, trotzdem kennt und fürchtet ihn jeder. Die Rede ist vom berühmt-berüchtigten inneren Schweinehund, der ausgerechnet immer dann auftaucht, wenn die Kräfte schwinden und die Leistungsfähigkeit in den Keller rauscht. Das Phantasiewesen steht quasi als Sinnbild für Willensschwäche, und schwingt sich vorzugsweise in Schwächephasen zum Erzfeind des ehrgeizigen Sportlers auf. Dass der rebellierende Widersacher augenscheinlich dann ins Bewusstsein dringt, wenn Schmerz & Qual unerträglich sind, löst die mentale Challenge eine innere Zerreißprobe aus. Hängt der sportliche Überlebenskampf im Kampf gegen die Uhr am seidenen Faden weil nahezu alle Körner verschossen sind, performt der innere Schweinehund zum beherrschenden Plagegeist. Steht die Entscheidung dann Spitz auf Knopf, braucht es eiserne Willenskraft, um beherzt mit Kampfgeist finale Kraftreserven zu mobilisieren und körperliche Schmerzen auszublenden. 

Das anspruchsvolle Streckenlayout des WOIDMAN bietet dem ungebetenen Gast jedenfalls reichlich Gelegenheit die Psyche zu zermartern. Vor allem das zermürbende Sägezahnprofil mit stetigem Auf und Ab kocht einem regelrecht weich. Umso mehr, wenn der Boden durchnässt ist und pfeilschnelle Abfahrten über glischtige Wurzeln bzw. durch Schlammlöcher zum Ritt auf der Rasierklinge mutieren. Dann gilt es, hoch konzentriert den Kampf mit dem inneren Schweinehund aufzunehmen. Wer von beiden am Ende als Sieger hervorgeht zeigt sich erst im Zielsprint. Doch wie heißt es so schön: der Ober sticht den Unter. Derjenige der sich mit mentaler Stärke unerschütterlich durchbeisst und unbeirrbar sein Ziel fokussiert, sticht den inneren Schweinehund sang und klanglos aus und stutzt ihn schwuppdiwupp zum braven Schoßhündchen zurecht. Letztlich ein hart erkämpfter Triumph, den man in erster Linie gegen sich selbst - aber auch gegenüber seiner Konkurrenten - errungen hat. Dementsprechend fliegen die ausgemergelten Hasadeure ihrem hormonellen Glücksrausch dem Zielbogen entgegen. 

Früh übt sich wer ein Champ werden will. Diesem Vorsatz folgen die WOIDKIDS in den Klassen U 5 bis U 13 und zeigten dementsprechend vollen Einsatz. Trotz körperlicher Anstrengung hat der Nachwuchs bei den Rennen sichtlich seinen Spaß.

Mit Schlammpassagen scheinen Kids ihre wahre Freude zu haben. Wo sonst dürfen Kinder mit Erlaubnis der Eltern in der Natur frisch frei fröhlich ihre (überschüssige) Energien los werden, ohne auf die Kleidung achten zu müssen? 

Am Sonntag erfolgen punkt 9.00, 10.30 und 11.30 Uhr für die Lang- Mittel- und Kurzdistanz die Startschüsse. Das Renngeschehen spielt sich in einer Höhenlage zwischen 425 und 600 Metern ab, womit das dicht bewaldete Dreiburgenland im Landkreis Freyung-Grafenau ideale Offroadbedingungen bietet. Das zeigt sich schon daran, dass die Südroute der Trans Bayerwald den Nationalpark-Ferienland Bayerischer Wald bzw. das Dreiburgenland durchquert. Auch wenn die Höhenunterschiede auf den ersten Blick marginal erscheinen und gerade deswegen leichtfertig unterschätzt werden, so können die Athleten gemäß dem Motto "steter Tropfen hölt das Bein" sehr wohl ans Leistungslimit gehen. Selbst MTB-Cracks wie beispielweise die Siegerin der Mitteldistanz, Lea Kremsreiter aus Waldkirchen kann vom zermürbenden "Wadl-Burner" ein Lied singen. Gegenüber der "Heimatsport" sagte die frisch gebackene Bayerische Meisterin freudestrahlend, aber auch sichtlich gezeichnet: "Ich bin selten so ein hartes Rennen gefahren".

Der abwechslungsreiche, flowige Streckenverlauf macht super Laune, die Orga ist perfekt und die Streckenhelfer ausgesprochen hilfsbereit und freundlich. Dass das Teilnehmerfeld hochklassig besetzt ist hat sich längst herum gesprochen. Speziell in der Königsdisziplin - der Marathondistanz - bekommt man es auf im Spitzenfeld mit top trainierten Kalibern zu tun, die z.T. auch internationale Wettbewerbe bestreiten. So gelang beispielsweise dem Vorjahressieger Jakob Hartmann aus Rosenheim ein unvorstellbarer Husarenritt, was bislang allen WOIDMAN-Titelträgern versagt blieb: er schaffte erstmals die erfolgreiche Titelverteidigung. Und das, obwohl er vom Vortag den ultraharten Nationalpark Bike-Marathon (Schweiz) mit 141 Kilometer und 4.000 Höhenmeter in den Beinen hatte (411 Starter → 7. Platz). Trotz feuchtnasser und mitunter glitschigem Untergrund brannte er in der Langdistanz (88 Kilometer / 2300 Höhenmeter) eine Fabelzeit von 4:02:29 Stunden in den Erdboden (Ø - Geschwindigkeit knapp 22 km/h). Angesichts des enormen Leistungsniveaus der Lizenzfahrer gibt's beim WOIDMAN für Hobbyisten zwar keinen Blumentopf zu gewinnen, doch den Spaß an der Freud schmälert es in keinster Weise. Wer sich in der Ergebnisliste weiter "unten" wieder findet fährt zumindest mit der unverblühmten Erkenntnis nach Hause, dass noch viel Luft noch nach oben ist.