Winterausfahrten versprechen Mehrfachprophylaxe von Mutter Natur

Saisonende nur des Winters wegen - aber warum eigentlich? Solang die Bodenoberfläche nicht vereist ist, es nicht stürmt (Lebensgefahr im Wald) oder das Quecksilber in zweistellige Minusgrade rutscht, kann man der kalten Jahreszeit erstaunlich viele positive Seiten abgewinnen. Dies gilt umso mehr, als dass uns der Mangel an Sonnenlicht durch grauverhangenen Wolkenhimmel, difuses Tageslicht und Schmuddelwetter nicht selten die Stimmung gründlich verhagelt. Dabei liegt die Lösung des Problems direkt vor der eigenen Haustüre. Wer nämlich in freier Natur körperlich aktiv bleibt, bricht aus dem Alltags-Hamsterrad aus, schöpft in stiller Abgeschiedenheit neue Energien und fühlt sich nach einer erfüllten Outdoor-Action und anschließender Dusche wie ein neugeborener Mensch. Selbst im "Grau ist Grau" eröffnen sich ungeahnte Lichtblicke, die uns bleierne Alltagslast von den Schultern nimmt. Ob man eine Wanderung, Rad-, Langlauf-, Schneeschuh- oder Ski- Tour unternimmt, bleibt hinsichtlich der energetischen Wirkung auf den Organismus belanglos. Hauptsache abschalten, fit bleiben, Akkus aufladen und das innere Gleichwicht wiederfinden. Und weil die Naturkulisse ihre bewundernswerte Facetten entfaltet, deren verschneite Landschaft oftmals ein wahres Wintermärchen hervorzaubert, sollte man tunlichst das vielversprechende Angebot von Mutter Natur regelmäßig annehmen. Gravelbiken, Crossbiken, Mountainbiken, E-biken - im optimierten "Wintertrimm" für Roß & Reiter schließt "All-Season-Cycling" die klaffende Lücke zur klassischen "Off-Season" auf wunderbarer Weise.

Diejenigen, die sich noch nicht zum illustren Kreis der abgehärteten Ganzjahresbiker zählen rümpfen bei der Vorstellung frostiger Winterausfahrten eher die Nase, als Verständnis dafür aufzubringen. Dass sie sich für's Winterbiking im wahrsten Sinne des Wortes nicht erwärmen wollen, ist zweifelsohne nachvollziehbar. Als Unbedarfter ist man dem Thema eben nicht unbedingt vorurteilsfrei aufgeschlossen, weswegen sich innerlich vieles dagegen sträubt, sich greisligem (schlechtem) Wetter auszusetzen. Von dieser Warte aus betrachtet erscheint eine ablehende bzw. distanzierte Haltung schon verständlich und ist mangels Erfahrung ebensowenig verwunderlich. Wie soll der Reiz einer spaßigen Winter-Action auch beurteilt oder gar emotional nachempfunden werden, wenn solch bewusstseinserweiternde (Natur-) Erlebnisse unbekannt sind?

Werden gewisse Ausrüstungsmerkmale - allen voran die Bekleidung - beachtet, ist körperliche Ertüchtigung an frischer Luft per se gesund. Macht man sich im Vorfeld ein wenig schlau und erkundigt sich über die vielfältigen positiven Auswirkungen, mag das Interesse vielleicht soweit geweckt werden, um tatsächlich eine Wintertour - sozusagen als Experimentaltest - zu wagen. Warum eigentlich nicht, wo von Jahr zu Jahr immer mehr Zweiradfans leidenschaftlich davon schwärmen? Die manngifaltigen Gesundheitseffekte sprechen jedenfalls für sich: Outdoorsport in der Kälte senkt z.B. Entzündungswerte, stärkt das Immunsystem, trainiert das Herz-Kreislaufsystem, wirkt stimulierend auf die Mitochondrien (Verbrennungskammern) was den Stoffwechsel anregt, hebt die Stimmung et cetera pp. Nicht zu verachten, dass der Fitnesslevel steigt und mentales Wohlbefinden zu Buche schlagen. Alles in allem ein wundersames Allheilmittel, das das Immunsystem stärkt und die Psyche ausgeglichener und stressresistenter macht. 

Winterbiking verspricht viele Vorteile, egal ob zur täglichen Arbeit, zum Touren oder zum Trainieren. Neben körperlicher Fitness werden auch Bikebeherrschung und Reflexe auf (schnee-) glatten Böden geschult, bei dem das instabile Fortbewegungsmittel feinfühlig auszubalancieren ist. Systematisch geübte Fahrtechnik kann einem in kritischen Momenten durchaus zugute kommen. Bevor man in eisgekühlter Luft mit Elan jedoch in die Pedale tritt, wollen ein paar grundlegende Dinge bedacht sein, um nicht die Gesundheit zu gefährden und sich überflüssige Spaßbremsen zu ersparen.  

Erst wenn der Körper von Kopf bis Fuß von einer winddichten, wärmenden, wasserabweisenden und atmungsaktiven Schutzhülle ummantelt ist, spielt selbst noch so übles Wetter nahezu keine Rolle mehr, weswegen der innere Schweinhund chancenlos ist. Kleidungskompromisse wirken sich in warmen Sommermonaten weit weniger fatal aus als dies in der kalten Jahreszeit der Fall ist, denn Feuchtigkeitstransport durch mehrlagige Kleidung hinweg ist essentiell. Ein schick-luftiger "Style-Faktor" mit unzureichender Atmungsaktivität auf Kosten der Gesundheit ist eindeutig fehl am Platz. Deshalb geht bei der Wahl des passenden Winter-Outfits Funktion vor Design. Ein Vorrang, der im Winter höchste Prio hat. Entscheidend ist, dass man weder friert noch schwitzt, also nicht zu dünn aber auch nicht zu warm gekleidet ist. Egal wie vermummt man aussieht, Hauptsache der Körper ist vor unbehaglichen Wettereinflüssen geschützt. Es gibt nunmal nichts Unangenehmeres, als unterwegs zu frieren und seine Runde durchnässt und unterkühlt zu Ende fahren zu müssen. Schlußendlich steht und fällt der Spaß an der Freud mit optimaler Wärmeisolation, die sich durch effizienten Nässe- und Windschutz auszeichnet und einen angenehmen Tragekomfort gewährleistet. 

Nicht zu warm und nicht zu kalt anzuziehen klingt zunächst einfach, ist es aber wegen ständig wechselnder Wetterkonstellationen oftmals nicht. Bisweilen erweist es sich als echter Spagat um auf der Fahrt weder zu Überhitzen noch Auszukühlen. Wieviel Lagen bzw. welche Kleidungskombination ideal erscheint, hängt nicht allein von der Außentemperatur, Wind und Niederschlag, sondern maßgeblich auch von der Belastungsintensität ab. Ist man beispielsweise vorwiegend in flachem Gelände mit mäßiger Geschwindigkeit oder mit einem E-Bike unterwegs, empfiehlt sich aufgrund geringerer Körperwärmeproduktion sich lieber etwas wärmer anzuziehen. Ganz anders, wenn eine bergige Trainingsfahrt viele Anstiege aufweist und dazu ein recht flottes (Gruppen-) Tempo angeschlagen wird. Dann mag ein Trikot weniger durchaus angenehmer sein.

Die erste Lage (Baselayer) des Zwiebelschalen-Prinzips bewerkstelligt den Feuchtigkeitstransport von innen nach außen, während die äußere Schutzhülle Nässe, Wind und Kälte abschirmt und den Körper warm und trocken hält. Der Funktionsunterwäsche kommt die wichtige Aufgabe zu den Schweiß von der Haut fernzuhalten, damit man nicht auskühlt. Die zweite Schicht (je nach Temperatur kann sie auch aus mehreren Schichten bestehen) fungiert als Isolationsschicht (z.B. Fleecejacke oder Wintertrikot) und die dritte Lage als Schutzschicht (Softshell- und/oder Regenjacke).

Im Vergleich zu untauglicher Kleidung wirkt ein sorgsam zusammengestelltes Winter-Dress wie ein echter Gamechanger. Schlussendlich erfüllt nur hochwertige Funktionskleidung, deren Materialmix aus Kunstfaser, Merinowolle, Fleece usw. effizient Feuchtigkeit (Körperschweiß) weiterleitet und Körperwärme bindet, die Voraussetzung Wind und Wetter Paroli zu bieten. Unter diesem Gesichtspunkt fallen demzufolge alle Rechtfertigungsversuche über zu kaltes, nasses, ungemütliches Wetter sprichwörtlich ins Wasser. Dank ultraleichter, elastischer und thermoregulierender High Tech Materialien haben selbst Schlechtwetterfronten oder Eiseskälte ihren Schrecken - ergo Ausreden ihre Glaubwürdigkeit verloren.

Wer bei winterlichen Temperaturen draußen regelmäßig Sport treibt bleibt nicht nur widerstandsfähiger, sondern legt darüber hinaus den Grundstein für die nächste Bikesaison. Bekanntermaßen ist "nach der Saison vor der Saison", d.h. im Winter wird die Form gemacht. Die Flügel hängen zu lassen und sich in den Winterschlaf zu begeben ist keine vielversprechende Option, denn wer rastet der rostet. Werden gewisse Grundregeln beachtet spricht aus medizinischer Sicht nichts dagegen Outdoor-Sport zu treiben. Angemessen gekleidet, birgt jedwede Outdooraktivität ungeachtet von Kälte, Nässe, Schnee und Wind hinsichtlich Gesundheit, körperlicher Fitness und psychischer Balance eine Menge Pluspunkte. So werden z.B. die Schleimhäute der Atemwege durch ständige Kälte- und Wärmereize - vergleichbar mit Saunabesuchen - beim Mountainbiken trainiert und unter körperlicher Belastung befeuchtet, was durch die angeregte Immunsystem in der erkältungsanfälligen Jahreszeit den Körper resistenter macht. Mit abgehärtetem Organismus radelt man Krankheitserregern buchstäblich davon. Eine Tatsache, die in der coronageplagten Unzeit umso mehr von unschätzbarem Wert ist.  

Sport im Winter wirkt gegen Winterde­pressionen“, sagt Professor Michael Deuschle vom Zentralinstitut für Seelische Gesundheit des Landes Baden-Württem­berg. Die Erklärung liegt darin, dass im Freien Vitamin D getankt wird, welches zu den wichtigsten Vitaminen für die Immunabwehr zählt. Überdies schütten wir durch körperliche Anstrengung Boten­stoffe aus, die Immun­zellen für etwaige Bakterien- und Viren­angriffe akti­vieren können. Weitere gesundheitliche Aspekte: kräftigt das Herz-Kreislauf-System, senkt den Ruhepuls, verbessert den Ruhestoffwechsel, verbrennt Winterspeck, fördert die innere Balance, festigt die mentale Stärke und erhöht die physische Widerstandsfähigkeit. Dazu werden bei winterlichen Straßenverhältnissen oder im rutschigen Gelände Reflexverhalten sowie koordinative Fähigkeiten geschult. Lange Rede kurzer Sinn: Wintertouren wirken als ganzheitlicher "Natur-Cocktail" auf Körper, Geist und Seele, dessen mannigfache Wirkung sich im übrigen vom Indoorsport (Rollentraining/Spinning) grundlegend unterscheiden. 

Der mentale Überwindungskampf

Man mag noch so leidenschaftlich gerne radeln, doch wenn atlantische Tiefdruckgebiete über's Land fegen, Niederschläge vom Himmel prasseln, Nebelschwaden in den Tallagen wabbern und erste Nachtfröste einsetzen, dann hört für die meisten Zweiradfans der Spaß auf, d.h. die Saison ist gelaufen. Einerseits nachvollziebar, denn die kaltnasse „Saure-Gurken-Zeit“ mit klirrender Kälte und diffusem Licht macht es einem alles andere als einfach, seinen Allerwertesten locker-flockig auf den Sattel zu schwingen. Erst recht, wenn bei schneebedecktem, matschigem oder vereistem Untergrund das Steuern des Vehicles zum waghalsigen Balanceakt mutiert. Es ist wie es ist: umso garstiger die Witterung, desto mehr schlägt es aufs Gemüt. Allein die Vorstellung klammer Finger, taubgefrorener Zehen, Schniefnase und rot verfärbten Ohrwascheln läuft es Einem schon eiskalt den Rücken runter. Zu allem Überdruß kurbelt die lichtschwache Zeit die Produktion des Schlafhormons Melatonin an, währenddessen im Gleichklang die Endorphinproduktion gedrosselt auf Sparflamme läuft. Dies erklärt, weshalb die Antriebslust und die Stimmungslage oftmals mau sind und wir uns zeitweise niedergeschlagen und unmotiviert fühlen (jährlich grüßt der Murmeltier). Kein Wunder, wenn die Verlockung sich im Warmen einzukuscheln und den faulen Lenz zu schieben, anstatt sich freiwillig Väterchen Frost, einem Schneegestöber oder peitschendem Regen auszusetzen, nahezu unüberwindbar erscheint. Je nach subjektivem Empfinden trennen Vorboten des Winters die Spreu vom Weizen, d.h. (sonnen-) verwöhnte Genuss- und Schönwetterradler von unverwüstlichen Ganzjahresfahrern.

Der innere Schweinehund

Wenns nieselt, regnet, graupelt oder schneit, die Finger am Lenker klamm sind, Brillengläser andauernd beschlagen und dazu noch ein eiskalter Ostwind um die Ohren pfeift, dann ist bei aller Liebe das Radfahren oder Biken zugegebenermaßen auch nicht mehr das Gelbe vom Ei. Je nachdem aus welchem Holz man geschnitzt ist zeigt sich, ob man zur härteren Sorte von Mensch gehört (nur die Harten kommen in den Garten) und die jahreszeittypische Herausforderung annimmt. Niederschläge, klatschnasser oder gar schneeglatter Untergrund - Radfahren in der kalten Jahreszeit ist nicht generell ein Ponyhof. Für Empfindsamere spielt sich die "Musik" eher in beheizter Wohlfühl-Atmosphäre ab, wo sich die Pseudo-Aktivität schon mal auf den Gang in die Küche, das Zappen auf der Fernbedienung bzw. einem gediegenen Nickerchen beschränken kann.

 

Ausgerechnet dann, wenn man unentschlossen mit sich hadert, funkt ein ungebetener Zeitgenosse dazwischen und versucht, uns das Vorhaben draußen eine Runde zu drehen madig - sprich abspenstig zu machen. Keiner hat ihn je zu Gesicht bekommen, trotzdem kennt und fürchtet ihn jeder. Die Rede ist vom berühmt-berüchtigten inneren Schweinehund, der heuchlerisch und verführerisch vorgaukelt, wie alternativlos die kuschlige Komfortzone angeblich doch ist. Das Phantasiewesen steht quasi als Sinnbild für Willensschwäche, und schwingt sich manchmal zum Erzfeind des ehrgeizigen Sportlers auf. Dass der Widersacher augenscheinlich bei Miesepeterwetter bzw. wenn der Tatendrang über die Wintermonate eh zu wünschen übrig lässt, "manipulativ" ins Bewusstsein durchdringt und gnadenlos rebelliert macht die geistige Hängepartie zwischen Pro & Contra nicht einfacher. Steht die Entscheidung Spitz auf Knopf, braucht es eiserne Disziplin, um sich "kaltschneuzig" eben nicht für den Weg des geringeren Widerstands zu entscheiden, sondern sich aufzurappeln den Fuß vor die Tür zu setzen. Hängt das Für und Wider am seidenen Faden fordert das Zaudern unweigerlich die Willensstärke heraus. Doch wie heißt es so schön: der Ober sticht den Unter. Wappnet man sich mit entsprechender Funktionskleidung bzw. hat clevere Motivationstricks auf Lager, verfügt man ein Ass im Ärmel, das den inneren Schweinehund sang und klanglos aussticht und schwuppdiwupp zum braven Schoßhündchen zurückstutzt.

In der Regel sind Unlust und Demotivation vorübergehende Phasen, die vornehmlich in der lichtschwachen Jahreszeit auftreten. Mit hartnäckigen Motivationstiefs muss man sich vor allem von November bis Februar herumschlagen, bevor die stärker werdende Märzsonne Frühlingsgefühle weckt. Zeitweise fühlt man sich erschöpft und zu keiner Aufgabe mehr fähig. Am liebsten möchte man abtauchen, sich unter der Decke verkriechen und unter keinen Umständen das Haus verlassen, geschweige denn sportlich aktiv zu werden. Falls (nass-) kaltes Wetter einen Strich durch die Rechnung macht braucht es zuweilen einen "Schubs", um seine innere Blockade zu lösen und sein Motivationsloch zu überwinden. Frei nach dem Zitat von Friedrich Wilhelm Nietzsche: "was mich nicht umbringt, macht mich stärker".

Motivationsanreize

Klar, dass bei saukaltem Wetter das „Motivations-Blut“ in den Adern zu gefrieren scheint. Wird's zapfig, bekommt der Spaß rasch Risse. Doch wer die Flinte voreilig ins Korn wirft dem ist möglicherweise nicht bewusst was ihm entgeht, zumal gegen die Unbilden des Wetters wie gesagt sowieso ein "Kraut" - Stichwort Kleidung - gewachsen ist. Wenn es draußen nass, kalt oder glatt ist und es schon früh zappenduster wird, rasselt die Lust, freudvoll Schicht für Schicht ins Radgewand zu schlüpfen in den Keller. Da beißt die Maus keinen Faden ab: es bedarf viel Moral, um sich für eine "Outdoor-Challenge" zu motivieren. Doch wie um Himmelswillen sollen innere Widerstände überwunden werden, wo das gemütliche "Home-Castle" mit dem weniger attraktiven "Survival-Einsatz" um unsere Gunst buhlt? Tatsächlich gibt (Psycho-) bzw. Selbstüberlistungs- Tricks, die eine Entscheidung erleichtern. Damit der Gang vor die Türe leichter fällt hilft es, sich vor Augen zu führen, wie glückbeseelt man nach der Frischluft-Inhalation zurückkehrt. Positive Gedanken an das stolze Gefühl danach, etwas geleistet und die Natur genossen zu haben wirken im Vorfeld adhoc als Stimmungsaufheller. Manchmal helfen eben nur gezielte Motivationskicks oder eine pfiffige Bewältigungsstrategie weiter, um lähmendes Nullbockgefühl in positive Energie umzuwandeln. Ist man zwiegespalten sportlich aktiv zu werden vermag die Vorstellung, dass das Beste zum Schluss kommt ungeahnte Motivationsschübe freisetzen.

Hält man sich diverse Vorzüge einer tollen Winter-Wonderland-Ausfahrt vor dem geistigen Auge, fällt es ungleich leichter sich zu motivieren. Beispiel: Bewegungsaktivität im Freien steigert die Ausschüttung von Glückshormonen und kurbelt die Produktion von Vitamin-D in unseren Körperzellen an. Ein Effekt, welcher der saisonalbedingten Mangelerscheinung - ohne Verabreichung chemischer Präparate - auf natürlicher Weise entgegenwirkt. Ausgeschüttete Endorphine machen glücklich und unterbinden den Winterblues - wenn dass mal nicht ein Argument genug ist.

Schlamm drüber, denn allein die in Aussicht stehende Fahrfreude samt ausstehenden Selbstverwöhnungsprogramm hilft auf die Sprünge. Kopfkino, indem man sich schon vorher auf das Hinterher freut ist zweifelsohne eine überaus wirkungsvolle Selbstüberlistungstaktik. Das höchste der Gefühle erwartet den taffen On-/ Offroader zweifellos am Ziel (seiner Träume). Was für einen schöneren Schlusspunkt kann es eigentlich geben, wenn man ausgepowert die Haustür aufsperrt, seine (schmutzigen) Klamotten scheibchenweise vom Körper abstreift, schnurstraks die Duschkabine ansteuert um nach dem heißen Wellnessvergnügen freudig ins legere Homedress zu hüpfen? Geschweige davon, den Tag in gemütlicher Atmosphäre ausklingen zu lassen und dabei innere Zufriedenheit, Wohlbefinden und Glücksgefühle zu verspüren. Es ist das Glück des Tüchtigen, unvergleichliche Relaxmomente entspannt und selbstzufrieden in vollen Zügen auskosten zu dürfen. 

Ruft man sich das Wohlbefinden einer Dusche, einer heißen Tasse Tee oder Glas Glühwein beim entspannten Couching ins Gedächnis, dürften die Würfel für ein Winterabenteuer an der frischen Luft leichter fallen. Wie heißt es so schön: Vorfreude ist die schönste Freude. Dank neuronalem Belohnungssystem mag es ein menschlicher Urinstinkt sein, dass man sich nach körperlicher Verausgabung zwar erschöpft aber dennoch pudelwohl und selbstzufrieden fühlt. Ohne Fleiß eben kein Preis. Unglaublich, welch heftiger Stimmungsumschwung das Radfahren binnen kürzester Zeit auslöst und jahreszeitlich bedingte Schwermütigkeit, Trübsinn und Tristesse den Laufpass gibt.

 Nichts bekämpft den inneren Schweinehund so effektiv wie "selbstverpflichtende" Terminabsprachen. Wer will schon Schwäche zeigen und seinen Kumpels unter "fadenscheinigen" Gründen absagen und sich zum Gespött der anderen machen? Anschluss zu Gleichgesinnten finden ist dank Social Media, diversen Facebook- u. WApp-Gruppen sowie Internetforen heutzutage kein Thema mehr. Vereinbarte Trainingszeiten oder kurzfristige Verabredungen mit Gleichgesinnten bzw. Vereinskollegen helfen über lethargische Durchänger oder mangelnde Entschlusskraft hinweg. Außerdem machen gesellige Ausfahrten ohnehin mehr Spaß als irgendwo allein herum zu gurken. Dank digitaler Kommunikationsformen sind selbst spontane Terminabsprachen kein Problem. Da Ausflüchte unter Freunden eher belächelt denn akzeptiert werden und der Freundeskreis um sarkastische Sprüche i.d.R. nicht verlegen ist (Weichei, Warmduscher...) bewirken solche psychologischen Druckmittel oft wahre Wunder weil sie Motivationskicks auslösen können.

Gönnt man sich nach einer knüppelharten "Schlamm- Regen- Schneeschlacht" einen heißen Tee, Glühwein oder Punsch, hat man alles richtig gemacht. Was häufig unterschätzt wird: die mentale Einstellung steuert das subjektive Kälteempfinden. Man mag es kaum glauben, aber die Einstellung gegenüber Kälte, Wind und Regen beeinflusst unsere Wahrnehmung. Also ist es nicht verkehrt sich warme Gedanken zu machen. Zudem spielt auch der Gewöhnungseffekt eine wichtige Rolle. Wer häufiger bei Wind und Wetter unterwegs ist, dessen Körper passt sich besser an (unwirtliche) Umgebungsbedingungen an, was wiederum den Auskühlungsprozess hemmt. 

Extremitäten - die kälteempfindliche "Achillesferse" des Menschen

Gliedmaßen bedürfen einen besonderen Wärme- und Feuchtigkeitsschutz, da die Körperenden beim Biken aufgrund der windexponierten Lage trotz körperlicher Aktivität am meisten gefährdet sind, zu erkalten. Das ist nicht nur unangenehm, sondern kann u.U. auch sehr schmerzhaft sein. Umso kälter es nämlich ist, desto stärker drosselt der Körper die Durchblutung von Händen und Füßen, damit durch verengte Blutgefäße Wärmeenergie gespart wird. Das größte Problem: sind Füße/Hände erst mal taubgefroren, kriecht die partielle Kälte unaufhaltsam in alle Körperpartien weiter. Ein Umkehrprozess, d.h. komplette Wiedererwärmung ist dann selbst bei größerer Kraftanstrengung kaum mehr möglich. Ist der gesamte Körper ausgekühlt hilft nur ein Aufenthalt in beheizten Innenräumen (aufgewärmte Gaststube).

 Vorsicht ist bei Stillstandzeiten bzw. Pauseneinkehr geboten, da Körperwärme bei Passivität rasend schnell verloren geht. Beim Pausenstopp sollten nassgeschwitzte Klamotten schleunigst gewechselt werden (Wechselkleidung einpacken). Ansonsten beschleunigt erkalteteter Schweiß auf der Haut den Auskühlungsprozess, was das Immunsystem schwächt und Erkältungsrisiken erhöht.

Mit ca. 30°C sind Finger und Füße grundsätzlich kälter als der Körperkern. Erkalten sie, sinkt die Hauttemperatur dort auf 10°C oder gar darunter ab. Erfrierungen drohen, wenn die Hauttemperatur unter 0°C sinkt. Deshalb haben ein wind- und wasserdichtes Schuhwerk - genauso wie Winterhandschuhe oberste Priorität. Gefütterte Winterschuhe mit griffiger Sohle und wasserabweisendem Obermaterial dichten nicht nur besser als herkömmliche "Sommertreter", sondern absorbieren die Kälte wirkungsvoller. Außerdem vermeidet der höhere Schaft das Eindringen von Schnee und Nässe. Sobald sich Feuchtigkeit im Schuh befindet gibt der Fuß vermehrt Wärme nach außen ab, wodurch zusätzliche Verdunstungskälte entsteht. Eine wasserdichte Membran und geklebte und gedichtete Cleat-Aufnahmen sorgen dafür, dass empfindsame Füße trocken und somit warm bleiben. Durch die isolierende Schutzschicht entweicht somit nur minmale Wärme was eine Auskühlung unterbindet. Kombiniert mit Überziehschuhen - gefertigt aus einer wasserdichten Membran oder Neopren - ist man gegen Frost, Schnee und Regen professionell gewappnet. Nicht zu vergessen Thermosocken, die eine gute Isolationswirkung ohne zusätzliches Volumen erzielen. Wem das noch nicht ausreicht, bettet seine Füße auf (Lammfell-) Einlegesohlen mit kälteabsorbierender Alubeschichtung. 

Für chronisch unterkühlte "Frostbeulen" kommen ggf. Einmal-Heizsohleneinlagen, die bis zu 8 Stunden wärmen, in Frage. Wenngleich gern mit 100% gen natürlichen Inhaltsstoffen geworben wird, bleibt unter Umweltgesichtspunkten die Einmalverwendung allerdings fragwürdig. Empfehlung: beheizbare Einlagesohlen.

Halten wir fest: sind die Füße warm und trocken verpackt sinkt die Unterkühlungsgefahr und somit auch das Risiko, sich eine Erkältung oder Infekt einzufangen.

 Winterstiefel etwas größer kaufen, sodass genügend Platz für dickere (Thermo-) Socken bzw. Lammfellsohle mit Alubeschichtung bleibt, die die Cleats-Kältebrücke abschwächt.

Für kälteempfindliche Hände bzw. Temperaturen um den Gefrierpunkt oder darunter eignen sich winddichte, wärmende, wasserabweisende und atmungsaktive "Lobster- oder Hummerfäustlinge", bei denen außer Daumen und Zeigefinger je nach Modellvariante entweder zwei oder drei Finger zusammen im Handschuh stecken. Die Finger bleiben durch flauschiges Innengewebe nicht nur wärmer, sondern bieten im Gegensatz zu Fäustlingen die nur den Daumen separieren eine etwas feinfühligere Bedienbarkeit der Schalt- und Bremshebel. Darüber hinaus gibt es auch beheizbare Handschuhmodelle oder Modelle, in die Heizkissen hinein passen. Last but not least: sogenannte Linergloves (dünne Unterziehhandschuhe) deren isolierendes Luftpolster für zusätzliche Wärme sorgt. Besonders praktisch sind touchscreenfähige Handschuhe, mit denen das Smartphone bzw. Navigerät bedient werden kann, ohne jedesmal umständlich aus den Handwärmern schlüpfen zu müssen.

Winter-Dresscode 

Zur unverzichtbaren Standardausrüstung gehören: 

  • Winterschuhe mit höherem Schaft
  • gepolsterte Handschuhe 
  • atmungsaktive Kleidungsschichten (u.a. atmungsaktiver Baselayer, Thermo-Langarmshirt, angerauhtes Langarmtrickot (Fleece-Innenfutter)
  • Winterjacke /  Softshelljacke
  • Kopfhaube / Sturmhaube
  • wasserdichte/abweisende Regenjacke
  • Thermohose 
  • knielange Bike-Short (zum Überziehen) 

  • Regenhose

  • Thermosocken
  • Schaltuch
  • Helmüberziehmütze
  • Isolierte Trinkflasche (für Heißgetränke)
  • Sicherheit geht vor: Kleidungsreflektoren, Warnweste 


 Gut zu wissen: Winddichte Bekleidung ist bis zu dreimal atmungsaktiver als wasserdichte Textilien. Ziehen nicht gerade sintflutartige Regenfälle übers Land bzw. wer einen sportlichen Fahrstil pflegt (stärkere Schweißbildung) ist gut beraten, eine wasserabweisende Kleidung (z.B.Winter-Softshelljacke) einem wasserdichten Schutz (Gefahr von Hitzestau) vorzuziehen.

Sieht man von Rabattschlachten am "Black-Friday" bzw. "Cyber-Monday" ab, ist hochwertige Funktionskleidung bzw. wertige Winter-Accessoires kaum zum Schnäppchenpreis zu haben. Qualität hat zwar ihren Preis, doch ein effektiver Kälte- und Nässeschutz mit guter Thermoregulation ist ohne Wenn und Aber Gold wert. Wem's ständig fröstelt und wie Espenlaub zittert, geht leichtsinnig mit seiner Gesundheit um. Eine Unterkühlung schwächt das Immunsystem, was umherschwirrenden Krankheitserregern Tür und Tor öffnet. Je nach nachdem wie hoch die physische Belastung einer (Trainings-) Ausfahrt (Intensität, Dauer) war, stellt sich in den nachfolgenden 3 - 72 Stunden ein sogenannter "Open Window Effekt" ein, bei dem der Körper besonders anfällig für Infektionen und Krankheitserreger ist. Insofern eine ernstzunehmende Gefahr, da insbesondere in der kalten Jahreszeit Bakterien und Viren in der Luft umherschwirren und angesichts der Infektionsrisiken (z.B. Grippe- Corona-Viren etc.) ein intaktes Immunsystem unentbehrlich ist.

Schlauchtücher bzw. Sturmhauben wärmen nicht nur den Kopf sondern zudem auch den Hals- Nacken- und Kinnbereich. So bleiben Mund, Nase, Ohren, Backen und der Hals eisigem Wind, Kälte, Regen oder Schneeflockenwirbel einigermaßen geschützt. Gegen Regen hilft ein wasserdichter Helmüberzug.

Bei unzulänglicher Kleidung muss der Körper notgedrungen mehr Wärmeenergie erzeugen, um die Körpertemperatur stabil zu halten. Neben dem erhöhten Energiebedarf schaltet das Gehirn quasi auf Selbschutzmechanismus, indem die Blutzufuhr in die Extremitäten zugunsten der Wärme in der Körpermitte reduziert wird, damit lebenswichtige Organe wie z.B. Herz und Lunge unversehrt bleiben. Dieser Vorgang erklärt, warum der Kälteprozess an Händen und Füßen beginnt und sich unaufhaltsam auf den gesamten Körper ausbreitet.

Winterparadies

Wenn einfließende Polarluft die Temperatur unter den Gefrierpunkt drückt und Schneeflocken im Zeitlupentempo vom Himmel rieseln, enptuppt innerhalb kürzester Zeit ein zauberhaftes Winterparadies. Soviel steht fest: Wer das Spaßpotential bei frostigem Winterwetter auf dem Cross- Gravel- oder Mountainbike über knirschendem Pulverschnee einmal für sich entdeckt hat, weiß das reizvolle Naturerlebnis zu schätzen. Von der heißen Dusche, entspannenden Couching und sonstigen redlich verdienten Dolce-Vita-Dolce-Vita-Verwöhnaktionen ganz zu schweigen.

Mittendrin statt nur dabei. Egal ob Sommer oder Winter, Frühjahr oder Herbst - Ganzjahresradler nehmen von den Jahreszyklen bewusst Notiz und bekommen achtsam die saisonalen Veränderungen ständig hautnah mit. Dementsprechend wird der Vegetationswandel oder auch das aktuelle Wettergeschehen viel intensiver wahrgenommen. Es bestehen nicht die geringsten Zweifel, dass eine verschneite Winterkulisse dank Gravel- Cross- und (e-) Mountainbikes auf dem Logenplatz eines Speichenflitzers ebenso eindrucksvoll erlebbar ist, wie bei anderen Wintersportarten auch. Gönnt man sich unterwegs oder nach einer Tour mit Freunden noch ein geselliges "Sit together", dann hat man wahrlich alles richtig gemacht.

In diesem Sinne: los geht's, rein in die Klamotten, rauf auf den Sattel und raus ins zauberhafte Winterwunderland.