The legendary Werner

Werner - ein echtes Oberpfälzer Urgestein - ist mit 73 Jahren nicht nur topfit, sondern in ihm lodert nach wie vor das Feuer der Leidenschaft wie bei Jungspunden. Es gehört schon eine Portion Überwindung und Coolness dazu im gesetzten Rentenalter inbrünstig die Funsportart Freeriden zu betreiben. Um kontrolliert über Tables oder Hindernisse zu springen und sicher zu landen braucht es einer ausgeklügelten Sprung- und Droptechnik samt exaktes Timing. Grundlage dafür sind koordinative und motorische Fähigkeiten die jahrelang geschult werden müssen. Werner Dittrich kaufte sich erst mit 65 Jahren den ersten langhubigen Freeride-Bolliden. Wie heißt es so schön: "Alter schützt vor Torheit nicht". Als begnadeter Freerider fräst er heute noch sprunggewaltig Trails und Fahrrinnen im Regensburger Outback, dem Jurasteig oder im Bikepark am Geisskopf hinab und steht Youngsters in Sachen Fahrtechnik in nichts nach. Oldie but Goldie. „The legendary Werner" tickt nicht viel anders als Freaks aus der Gravity-Szene die seine Enkel sein könnten. Im übrigen keine schlechte Altersvorsorge, denn diffizile Downhillstrecken gespickt mit Obstacles, kniffligen Drops und Gaps fordern körperlich und schärfen durch kognitive Beanspruchung die Sinne.

Europas größtes MTB-Magazin »BIKE« widmete dem heiteren Regensburger Haudegen ein ausführliches Interview, in dessen früherem Video-Trailer er authentisch porträtiert wird. Als Symbolfigur lebt Werner in erfrischender Weise vor, welch magische Anziehungskraft Mountainbiken auf Jung & Alt entwickeln kann. Emotionale Hingabe ist eben keine Frage des Alters sondern eine Frage der Einstellung. Ob jung oder alt - jeder Biker liebt das erhabene Freiheitsgefühl sowie den Fahrspaß- und Naturgenuss. Seine Charakterzüge wie Bodenständigkeit, Bescheidenheit und Einfachheit sind aller Ehren wert. Mit seiner kritischen Meinung zum überschwänglichen Konsumverhalten, der unsäglichen Massentierhaltung oder oberflächlichem Mainstream-Gehabe steht er bestimmt nicht alleine da. Sein derber Oberpfälzischer Dialekt hebt sich zum krassen Szenen-Slang angenehm ab, was ihn von Gleichgesinnten himmelweit unterscheidet. Werner's Glücksbringer ist das "Radl", d.h. er geht nicht biken sondern "Radl foarn". Dies macht ihn zum sympathischen Unikum. An Selbstironie und Witz mangelt es ihm wahrlich nicht. Er kann auch über sich selbst lachen wie lapidare Bemerkungen: "Bist schaust bist kompostig" oder der Video-Titel »Der alte Knacker« zeigen.

Was lehrt uns die Gschicht? Eine Altersgrenze mit Sport zu beginnen oder gar aufzuhören gibt es nicht. Vielmehr profitiert man davon, jene Action in freier Natur auszuüben was die Lebenslust steigert und ganz nebenbei den Alterungsprozess um Jahre hinaus zögert. Ergo die beste gesundheitheitliche Prävention, um gut gelaunt seinen Körper in Schuss zu halten. Wie heißt es so schön: jeder ist seines eigenen Glückes Schmied. Während unsere Gene 50 Prozent zum Glücksempfinden beitragen (nicht beeinflussbar), spielen Lebensumstände wie Job oder Wohnsituation erstaunlicherweise nur eine untergeordnete Rolle (tragen gerade mal zehn Prozent zum Glück bei). Viel wichtiger ist der eigene Wille mit dem wir uns bewusst entscheiden um glücklicher zu werden (beeinflussbar). Laut Psychologin Miriam Akhtar (Buch „Mit positiver Psychologie aus der Depression“) soll dieser Faktor mit 40 Prozent zum Glück beitragen. Ob dies eine spezielle Ernährungform, ein bestimmtes Hobby oder konzentrierte Achtsamkeitsübung ist bleibt letzten Endes belanglos, denn all die aufgezählten Beispiele gelten grundsätzlich als potentielle Glücksbringer.

Werners Lebensweise und Lebenseinstellung bietet eine (nachahmenswerte) Anleitung für den Weg zum Glück und innerer Zufriedenheit. Abgesehen davon dürfte es ein Milliionenheer von Mountainbikern zuversichtlich stimmen, in welchem Lebensabschnitt man sein Hobby  leidenschaftlich immer noch betreiben kann.

Bravo Werner - weiter so! Mögen dir Gesundheit, Lebensfreude und Radl-Begeisterung noch viele Jahre beschieden bleiben.