Faszinierendes Déjà-vu mit der TRANS BAYERWALD

In Anbetracht der weltweit grasierenden Coronakrise treibt die Deutschen die Frage um, wo es denn dieses Jahr hingehen soll ohne sich vermeidbaren Risiken auszusetzen. Dass Deutschland aus vielerlei Gründen als relativ sicheres Land gilt und deswegen Urlaubsreisen im eigenen Land hoch im Kurs stehen, zeichnet sich durch fortschreitende Lockerungsmaßnahmen bereits seit den Pfingstferien ab.

Die Ferienzeit naht in Riesenschritten. Und mit ihr keimt die spannende Frage welches Reiseziel den Favoritenstempel bekommt. Auch wenn reisefreudige Menschen die Sehnsucht nach Weite, Freiheit und Ferne verspüren, wird dieses Jahr nur das Heimatland als wirklich sichere Urlaubsoption erachtet. Denn seit die Covid-19-Seuche in der Welt wütet, gibt es in vielen Ländern unterschiedlichste Restriktionen sowie Reisebeschränkungen, bei dem ein Urlaubsfeeling nicht so richtig aufkommen mag. Die Reiselust beschränkt sich vornehmlich auf das Heimatland, da die Unsicherheit in Bezug auf das, was einen im Ausland tatsächlich erwartet groß ist. Die Angst vor Ansteckung am Flughafen, im Flugzeug, Taxi, Bus und in den Hotels ist allgegenwärtig. Wirtschaftspsychologe Martin Lohmann, der das Reiseverhalten der Deutschen analysiert begründete die sicherheitsbetonte Haltung damit, dass neben wirtschaftlichen Gründen wie Kurzarbeit oder Arbeitsplatzverlust vor allem psychologische Beweggründe die Wahl der Urlaubsdestination beeinflussen. 

Warum in die Ferne schweifen wenn das Gute liegt so nah und reizvolle Naturlandschaften nur darauf warten erkundet werden? Nach dem ökonomisch desaströsen Lockdown und monatelangem Stillstand des Tourismus kommt die deutsche Reisebranche trotz hoher Verluste allmählich wieder auf die Beine. Die Reisesaison 2020 - und wahrscheinlich darüber hinaus - kennt einen klaren Gewinner: Deutschland. Bereits in den vergangenen Jahren lag "Good old Germany" mit etwa einem Drittel aller Urlaubsreisen als beliebteste Ziel der Deutschen weit vor Spanien. Dabei scheint die (coronabedingte) Einstellung und Rückbesinnung auf das eigene Land aus vielschichtigsten Gründen eine anhaltende Wirkung zu entwickeln. Dass dabei eine inländische Urlaubsreise nachhaltiger ist als ins Ausland zu fliegen versteht sich von selbst.

Rad- und Mountainbike-Tourismus

Suunto - ein weltbekannter Fitness-Uhren-Produzent aus Finnland - konnte aus Trainingsdaten seiner Kunden interessante Neuigkeiten errechnen: so wurde beispielsweise in Zeiten des Lockdowns 64% mehr Rad/Bike gefahren. Eine Entwicklung die auch die Trainings-App Strava bestätigt. Dabei boomt Mountainbiken schon seit Jahren, wobei Corona den Wachstumsschub nochmals massiv befeuert hat. Unglaublich, dass ein winzigkleines Virus die Welt auf den Kopf stellt und ganz nebenbei als Trendbeschleuniger der gesamten Zweiradbranche wirkt. Das Plus ging vor allem auf hochpreisige E-Bikes zurück, deren Verkäufe um rund dreißig Prozent gestiegen sind. Indikatoren die darauf hindeuten, welch großen Einfluss - abgesehen von der Coronakrise - das gestiegene Klimabewusstsein und die Mobilitätswende auf das umweltfreundliche Zweirad nimmt. 

Immerhin gibt es mittlerweile mehr aktive Mountainbiker als aktive Fußballer in Deutschland, wie eine Umfrage von IfD Allensbach 2019 ermittelte. Demzufolge üben den Mountainbikesport 3,74 Mio häufig und 11,52 Mio gelegentlich aus. Doch die regelrechte Überflutung durch Naturliebhaber in die oberbayerischen Urlaubsgebiete - vornehmlich im Voralpenland - nach dem Lockdown hat auch ihre Schattenseiten. So birgt das massenhafte Aufeinandertreffen von Wanderern und Mountainbikern insbesondere auf beliebten Hauptrouten Konfliktpotential, welches die friedliche Koexistenz untereinander ernsthaft gefährdet. Hinzu kommt, dass sich Anwohner von Touristenschwärmen (Overtourism) genervt fühlen und über verstopfte Straßen und Parkplatzmangel klagen, weshalb eine Willkommens-Atmosphäre auf der Strecke bleibt.

Dabei lassen sich Tourismushochburgen bzw. frequentierte "Klassiker-Routen" zugunsten ruhigerer Gegenden meiden. Es gibt auch woanders Naturterrain, wo Stille, Einsamkeit und Ursprünglichkeit vorherrschen und man seinem Bewegungsdrang freien Lauf lassen kann ohne ständig mit anderen Naturnutzern ins Gehege zu kommen. Dirk Dunkelberg, stellvertretender Geschäftsführer des Deutschen Tourismusverbandes (DTV) sagt: "Wir sehen eine sehr hohe Nachfrage nach Urlaub an den Hotspots wie der Ostsee, der Nordsee und Bayern", und weiter: "Wir raten aber, auch in die Mittelgebirge oder etwa zu den unbekannteren Seen in Brandenburg zu fahren, damit sich nicht alles auf wenige Regionen konzentriert." 

TRANS BAYERWALD - Der Weg ist das Ziel

Mountainbiker haben gut lachen, da deutsche Mittelgebirgsregionen bzw. das Alpenvorland enormes Entfaltungspotential bietet. Welchem Mittelgebirgsterrain letztlich der Vorzug gegeben wird (z.B. Erzgebirge, Thüringer Wald, Rhön, Eifel, Bayerischer Wald, Harz) ist Geschmackssache. Jedes Bike-Revier weist typische topographische Merkmale auf, prunkt mit unvergleichlichen Landschaftsformen und verfügt als Suchtmagnet "Nummer 1" Trails in all erdenklichen Varianten. 

Ohne eine bestimmte Region bevorteilen zu wollen, bietet der Bayerische Wald mit seiner 700 km langen Etappenroute »TRANS BAYERWALD« Potential für gleich mehrere Bike-Urlaube. Mit der als Reiseroute klassifizierten »TRANS BAYERWALD« hat die abgeschiedene Mittelgebirgsregion in Ostbayern jedenfalls ein echtes Ass im Ärmel. Die Nutzerfrequenz lässt sich auch daran ablesen, dass bereits 1.800 Starterpakete verschickt wurden. Das Infopaket enthält praktische Hinweise und Tipps (Reisetagebuch inkl. Stempelkarte, Etappenbooklet, Infoliste mit Gastgeber, Gastronomie, Radservicestationen, Anreiseinfos uvm.). Einfach eine Anfrage an info@trans-bayerwald.de schicken, dann wird das kostenlose Starterpaket zugesendet.

Spricht die »TRANS BAYERWALD« Gipfelstürmer oder Genussbiker an? Im Prinzip beides. Es bedarf nur einer leistungsangemessenen Etappenplanung, gutem Konditionsvermögen sowie ein Mindestmaß an Fahrtechnik, wobei man kein ausgewiesener Fahrtechnikkünstler zu sein braucht.

Mountainbiken ist die Rückkehr zu den eigentlichen Wurzeln, das ein pures Erlebnis in wilder Botanik verspricht. Ein Versprechen, das die abwechslungsreiche TRANS BAYERWALD Etappe für Etappe einlöst. Der Weg ist das Ziel. Die Etappentour bietet all das, was Biker-Herzen höher schlagen lässt und einmal mehr zeigt, dass das Schöne oft näher liegt als man glaubt. Attribute wie Naturerlebnis, Fahrspaß, kulinarische Spezialitäten und günstige Preise sprechen für sich. Obendrein bekommt man auch über die Kultur, Tradition, Brauchtum und sprachlichen Dialekt einen interessanten Einblick. Dass das Zielgebiet quasi vor der eigenen Haustür liegt erscheint schon fast als Privileg. 

Klar ist aber auch: das mittelgebirgstypische Sägezahnprofil, deren Höhenmeter sich peau peau zusammen läppern verlangt Kraftausdauer und mentales Standing. Unterm Strich ergeben die Südroute (8300 hm) + Nordroute (8350 hm) + Querverbindung Bischofsmais-Rabenstein (800 hm) aufsummiert stattliche 17.500 Höhenmeter. Dimensionen, die einem Alpencross durchaus ebenbürtig sind.

Die Anstiege mögen nicht so lang und steil sein wie im Hochgebirge, doch steter Tropfen hölt den Stein. Wadelzwicker am laufenden Band machen mürbe - sprich das Kraut buchstäblich fett. Andererseits: Das Erlebnis-Feuerwerk und die berauschenden Glücksgefühle, die einem die TRANS BAYERWALD ständig beschert kann man weder bei Jochen Schweitzer buchen, noch geschenkt bekommen. Stück für Stück wollen Glückshormone zuvor mühsam erarbeitet sein. Umso intensiver und leidenschaftlicher fallen dafür die faszinierenden "Ahs & Ohs" aus.     

Faszinierendes Déjà-vu mit der Nordroute

Nachdem die TRANS BAYERWALD Südroute von Furth im Wald bis Passau bereits zweimal befahren wurde und sich authentische wie originelle Erlebnisse ins Gedächnis einbrannten, stand nun die 360 km lange Nordroute auf der Agenda. Entsprechend groß war die Erwartungshaltung gegenüber des unbekannten Südspangen-Pendants, das den Kreis der TRANS BAYERWALD von Passau nach Furth im Wald schließt. 

Die Anreise erfolgte umweltfreundlich mit dem IC von Regensburg nach Passau (Radreservierung obligatorisch). Rückfahrt Gemeinsam mit Globetrotter Alois Weger - der als Rad-Weltenbummler in Vergangenheit schon für mediales Aufsehen sorgte - nahm in der Dreiflüssestadt im Passauer Land im Herzen Niederbayerns - eine herrliche Urlaubsregion das von Flüssen, Wäldern und Thermen geprägt ist - die fünftägige Etappentour über den Böhmerwald- und Arber-Grenzkamm ihren Lauf. 

Die 361 km lange TRANS BAYERWALD Nordroute birgt im Prinzip gleich zwei Königsetappen: und zwar die dritte Etappe Waldkirchen-Dreisesselberg-Mitterfirmiansreut sowie die sechste Etappe Zwieslerwaldhaus-Großer Arber-Lam. Mit landschaftlicher Superlative und wildromantischer Ursprünglichkeit geizt der Bayerwald dort ganz und gar nicht. Die Mittelgebirgsregion zieht in punkto Aussichtspanoramen und spaßige Fahrschmankerl gleich mehrmals den Joker. Dass diese zwei herausfordernden Berg-Etappen ihren Schweißtribut fordern liegt in der Natur der Sache:-) 

Etappe 1 Passau - Wegscheid, 45 km / 800 hm

Etappe 2 Wegscheid - Waldkirchen 47 km / 1200 hm

Etappe 3 Waldkirchen-Dreisesselberg-Mitterfirmiansreut 63 km / 1.900

Etappe 4 Mitterfirmiansreut -Spiegelau 55 km / 1.100 hm

Etappe 5 Spiegelau zum Zwieslerwaldhaus 45 km / 1.000 hm

Etappe 6 we presented the "Royal Stage" of Bavarian forest. Die sogenannte Königs-Etappe der TRANS BAYERWALD verläuft vom Zwieslerwaldhaus über den Großen Arber nach Lam 65 km / 1.600 hm

Etappe 7 Lam - Furth im Wald 45 km / 1.000 hm

Wohlweislich wurde Furth im Wald als Ziel- bzw. Startpunkt der TRANS BAYERWALD gewählt, da die Oberpfalzbahn über Cham-Schwandorf-Regensburg die Zuganbindung ans Fernverkehrsnetz der Bahn herstellt.

Kost & Logie

Dahoam isses doch am schönsten. Landschaftlich eine atemberaubende Kulisse, deren Befahrung nicht nur mega Spaß macht sondern konditionell "grawutisch" fordert. Umso weniger man sich Zeit für die TRANS BAYERWALD nimmt bzw. wer nicht auf die Schubkraft eines e-bikes setzt, desto größer muss das Kämpferherz zur Bewzingung der 8.500 Höhenmeter sein. Back to the roots, Life is so simple: eat - sleep - bike. 

Folgende Gastgeber können wir wärmstens empfehlen - als Biker fühlten wir uns herzlich aufgenommen - ergo pudelwohl:

--> Restaurant zum Kurparksee, Waldkirchen (Erlauzwiesel) 

--> Zum "Pfenniggeiger", Philippsreut

--> Gasthof-Pension "Zum Latschensee", Buchenau (Lindberg)

--> Hotel zum Hirschen, Lam 

Essen wie Zimmer waren tipptopp - das Personal war ausgesprochen freundlich. Überdies gab es sichere Abstellplätze samt Akku-Lademöglichkeit. Sogar Waschmöglichkeiten für das "Arbeitsgerät" waren vorhanden (Wassereimer/Putzlumpen wurden bereitgestellt). Gesellige Gespräche mit sympathischen Wirtsleuten und Gästen erlaubten Einblicke in das (nicht immer einfache) Alltagsleben der Einheimischen. Auch wenn auf Hygienevorschriften wie Mindestabstand/Mundschutz etc. zu achten war - dem Spaß an der Freud tat es keinen Abbruch.

Fazit

Die TRANS BAYERWALD ist eine Mountainbike-Reise durch Zeit und Raum, die einem fernab vom Mainstream Tritt für Tritt grenzenlose Freiheit spüren lässt. Ein gleichsam spannendes, inspiratives, spaßiges aber ebenso schweißtreibendes Actionerlebnis. Die kompromisslose Tal- und Bergfahrt lässt einem bei jedem Etappenort ausgepumpt und ausgemergelt ankommen. Doch wenn man sich nach Bikers Sitte breit grinsend gegenseitig abschlägt (Highfives) dann sprechen funkelnde Augen von emotionsgeladener Glückseligkeit. Sobald man geduscht ist, sich in frische Klamotten geschmissen hat und kulinarischen Genüssen hingibt erlebt man jedes Mal auf’s Neue ein ausgesprochenes Wohlfühlambiente, das in einem tiefenentspannten Glückszustand gipfelt. Mit Freunden beim Abendessen den Tag Revue passieren lassen und über „Heldentaten“ zu plaudern ist ein allgemeines Ritual. Dies war unter Mountainbikern schon immer so und wird sich auch in Zukunft nicht ändern. Eine Tatsache, für die die TRANS BAYERWALD reichlich Gelegenheiten bietet.

Der Bayerische Wald bietet Mountainbikern soviel Entfaltungsmöglichkeiten mit unwiderstehlichem Suchtpotential, dass uns die Etappentour ganz bestimmt nicht zum letzten Mal gesehen hat. Wer jetzt auf den Geschmack gekommen ist und sein Bedürfnis in die Tat umsetzen möchte, dem wünschen wir viel Spaß und dasselbe Biker-Wetter das uns geschenkt wurde.