Unverwüstlicher Winterbiker oder Zuckerwatte-Typus?

Robuste Cross- Gravel- und Mountainbikes sorgen dafür, dass immer weniger Biker in der sogenannten "Off-Season" die Flügel hängen lassen. Biken, in all seinen vielschichtigen Facetten ist am besten Wege, sich klammheimlich zum Ganzjahressport zu entwickeln. Keine Frage, frostige Wintermonate haben ihren Reiz, wenn man knirschend über schneebedecktes Terrain gleitet. Doch selbst unverwüstlichen Winter- und All-Wetter-Fahrern ist der ganze Terz irgendwann zuviel des Guten, ständig dick eingepackt mit sichtverschmierter Brille auf matschigem oder vereisten Untergrund zittrig umher zu eiern. Verständlich, denn durchnässt und "fangobepackt" mit klammen Fingern in klobigen Handschuhen sein Gefährt zu steuern wird irgendwann nervig. Man sehnt sich wieder auf schnee- und morastfreie Trails, die griffige Traktion und guten Grip bieten und es in luftigen Klamotten erleichtern dem Flow auf der Fährte zu bleiben. 

Jahreszeiten werden in der Meteorologie und Astronomie unterschiedlich definiert. Demnach geht der meteorologische Winter mit dem Monat Februar zu Ende, während der kalendarische Winter erst mit der Tag- und Nachtgleiche am 20. März endet. Wie dem auch sei, das Gezeter mit dem winterlichen Intermezzo Frost, Nebel, Schnee und Graupelschauer ist bald vorbei. Der Frühling steht vor der Tür und mit ihm beginnt die Zeit der "Zwiebelschalen-Entblätterung". Die Tage bis endlich kurze Shorts und kurzärmlige Trikots aus dem Kleiderschrank gekramt werden sind gezählt. Im März sind die Tage spürbar länger - bisweilen auch sonniger - was bereits kürzere Feierabendrunden ohne Beleuchtungs- und Reflektoren-Schnickschnack erlaubt. Auch hormonell passiert so einiges im Körper. So ist es jahreszeitlich typisch, dass Frühlingsgefühle gute Laune entfachen und das Verlangen durch die Botanik zu glühen drastisch steigen lässt.  

Am 21. März ist kalendarische Frühlingsanfang, wenngleich sich zarte Vorboten in aller Regel schon zuvor ankündigen. Im Prinzip ist es jedes Jahr dasselbe Spiel: weht ein Hauch von Frühling übers Land und treffen wärmende Sonnenstrahlen auf die Erde hellt sich bei den Menschen schlagartig die Stimmung auf und steigert das allgemeine Wohlbefinden. Wenngleich die Temperaturen nur zäh in den zweistelligen Bereich klettern und die Nächte noch empfindlich kalt sind, so blinzeln immer häufiger Sonnenstrahlen durch die Wolkendecke. Dies ist vor allem für jene Biker ein Weckruf, denen - sarkastisch formuliert - "Zuckerwatte-Eigenschaften" nachgesagt werden. Juhu, endlich Frühling!

Aufkeimende Frühlingseuphorie schön und gut, doch die Gefahr dem Körper zuviel abzuverlangen ist in dieser Zeit durchaus gegeben. Den schlimmsten Fehler den man machen kann, ist ein ungesunder Kaltstart. Mit mauer Fitness und womöglich zu viel Speck auf den Rippen sollte sich - erst recht nach monatelanger Inaktivität - weder kondionell noch kognitiv überfordern. Wer sich in anspruchsvolles Terrain wagt das Fähigkeiten abverlangt, welche schlicht nicht abrufbar sind, begibt sich in akute Sturzgefahr. Solange der Bewegungsapparat noch ungelenk bzw. muskuläre und konditionelle Defizite bestehen, empfiehlt es sich im moderaten (beherrschbaren) Gelände zu bleiben und cool & easy in die jungfräuliche Bikesaison einzusteigen. Wer indes über die Wintermonate sein Bike über die Trails scheuchte, für den erübrigt sich natürlich eine Eingewöhnungsphase. Für alle anderen gilt die Devise: Cool down, sich step by step an die fahrtechnischen und topographischen Herausforderungen heran wagen, bis feinfühliges Balancegefühl herrscht und die sensomotorischen Bewegungsabläufe wieder wie von selbst flutschen.

Auch klimatisch bedingte "Fallgruben" verleiten dazu, übermotiviert ans Werk zu schreiten. Vor allem wenn die Sonne vom Himmelszelt lacht und überschäumende Frühlingsgefühle weckt. Sprühender Tatendrang vermittelt uns ein Gefühl zum "Bäume ausreißen". 

Gute Laune, Eifer und Schaffenslust, was gewohntermaßen in den Frühlingsmonaten verstärkt in Erscheinung tritt, lässt sich in gewisser Weise auf einen Hormonumschwung zurückführen. Ursächlich ist u.a. längeres und intensiveres Tageslicht, das die Ausschüttung des Schlafhormons Melatonin bremst. Verhaltensforscher und Endokrinologen schreiben dies der Zirbeldrüse zu, welche die Produktion des Melatonins dosiert. Der Körper schüttet das Schlafhormon in der Dunkelheit vorwiegend im Winter sowie während der Nacht aus. Werden die Tage länger und heller sinkt im Blut die Melatonin-Konzentration.

Aber auch das Glückshormon Serotonin beeiflusst unsere Stimmungslage sobald der Botenstoff vermehrt ausgeschüttet wird. Das als "Wohlfühlhormon" bekannte Serotonin wirkt dabei nicht nur stimmungsaufhellend, sondern dämpft überdies das Stressempfinden des Körpers. Genau genommen wirkt es entspannend, antidepressiv, schlaffördernd, schmerzhemmend und steigert nicht zuletzt den inneren Antrieb. Damit der Körper jedoch Serotonin aus Lebensmitteln ziehen kann, sind neben wichtigen Nährstoffen zusätzlich Bewegung und Licht vonnöten. Bezogen auf die letzteren beiden Faktoren profitieren Radfahrer in besonderem Maß. 

In Studien wurde der Nachweis erbracht, dass Ausdauertraining den Serotoninspiegel anhebt, weil es durch die körperliche Betätigung die Verfügbarkeit der Aminosäure Tryptophan (daraus bildet der Körper Serotonin) im Gehirn erhöht. Fazit: Radfahrer setzen eine ganze Reihe positiver Effekte in Gang, die sich auf die Stimmung bzw. das psychische Wohlbefinden auswirken. Dass die lichtschwachen Wintermonate vielen Menschen aufs Gemüt schlagen liegt u.a. auch am Vitamin D-Mangel. Ähnlich wie beim Serotonin steht und fällt die körpereigene Herstellung von Vitamin D mit der täglichen Lichtexposition. Je großflächiger die Haut von UV-B-Strahlen bestrahlt wird, umso mehr Vitamin D wird produziert.

RIDE ON!

 Wer mehr zum Thema "gezielter Formaufbau" erfahren möchte klickt sich in die Doku »Saisonvorbereitung mit Köpfchen« rein.