Mountainbiker rockten den 35. Arber-Radmarathon

Deutschlands größte Radtouristikveranstaltung - der 35. Arber-Radmarathon - ist Geschichte. Insgesamt stürzten sich 6.101 Teilnehmer - davon knapp 1.000 Mountainbiker - mit Elan ins schweißtreibende Vergnügen. Das Wetter kann man mit einem lachenden und weinenden Auge betrachten. Erfreulich war, dass entgegen der schlechten Wetterprognosen von Dauerregen, Gewitter, Sturm und Hagel nichts von dem eintrat. Anders als erwartet herrschte völlig trockenes Radlerwetter. Auch wenn es in der Nacht regnete herrschte aufgrund der vorangegangenen Trockenheit perfekte Bodenbeschaffenheit mit besten Grippbedingungen - ganz im Gegensatz zur Befahrung beim "vereinsinternen Arber" eine Woche zuvor. Mehr noch: nach der unterträglichen Hitzeperiode war das Thermometer rechtzeitig auf angenehme 25 Grad gefallen, worüber sich auch Barbara Wilfurth, Präsidentin des veranstaltenden Veloclubs Ratisbona unbandig freute. Kehrseite der Medaille: die unzutreffenden Wettervorhersagen hielt insbesondere Nachmelder davon ab, jegliches Regenrisiko einzugehen. Da die Anmeldezahlen im Vorfeld auf demselben Niveau des letzen Jahres lagen erklärt es den Teilnehmerschwund von etwa 10%. Nichts desto trotz sorgt gerade die immens große Teilnehmerzahl für den außergewöhnlichen Flair unter Gleichgesinnten. Pech also für die Daheimgebliebenen und Glück für diejenigen, die sich nicht beirren ließen und mit viel Spaß und körperlichem Einsatz ein geniales Bikerlebnis genießen durften.

Das sogenannte "Warm-Up" verlief über die Frankenstraße und Walhalla-Allee Richtung Kalkwerk.

Bereits beim Anflug auf die Botanik herrschte gute Stimmung. 

Freie Fahrt ohne auf einer mehrspurigen Ausfallstraße ohne Rotlicht beachten zu müssen hat man auf dem Bike auch nicht alle Tage. Im übrigen dient die Straßensperrung auch der Sicherheit, da die Massenpulks mehr Raum zur Verfügung haben und diese sich auf den ersten 5 km schneller entzerren.

Das ist sie: die gepflasterte "Goodmorning-Rampe" hinauf zum Brandlberg. Der relativ kurze Anstieg mit 20% Steigung, dass die Hitzeregulation durch  Schweißbildung in Gang kommt.

Knapp 1000 Mountainbiker verteilten sich auf drei Routen. So entschieden sich 55% für die kürzere Altenthannrunde (Tour H), 27 % nahmen die mittlere Süssenbachrunde (Tour G) in Angriff und 18% wagten sich an die anspruchsvolle Regentalrunde (Tour F). Die Verteilung spiegelt jedoch nur die theoretische Streckenfrequenz wider,  da unterwegs der eine oder andere auf eine kürzere Variante umschwenkt. Besonders an der Streckengabelung F + G hielten wiederholt Biker an um in sich zu gehen und zu überlegen ob die Kondition für die anspruchsvolle Regentalrunde wohl ausreichen mag. 

Bei KM 43 traf man auf die Getränkestation Luckstein. Wer seinen Energienachschub seit Schönfeld schon verstoffwechselt hatte, dem halfen hier Energieriegel über den Berg. Für jene, die die Süssenbachrunde fuhren war die nächste V 2 Schönfeld 14 km entfernt, während die Fahrer der Regentalrunde bis zur V 2 nach Zell noch 23 km vor sich hatten. 

Die optimierte Streckenführung der langen Route kam super an. Übersichtliche Ausschilderung, nützliche Warnhinweise auf besondere Gefahrenstellen, gut bestückte Labestationen, das neu initiierte Beschilderungskonzept und vor allem die flowigen Trails waren voll des Lobes. Der eigentliche Burner war natürlich das installierte Bergzeitfahren. 

No pain no gain: als gefürchteter Scharfrichter tut der bocksteile und teils technisch anspruchvolle 130 hm-Uphill bei Süssenbach jedem Biker weh - egal wie gut man trainiert ist. Die süffisante Frage eines Teilnehmers, ob dies der "Umbringberg" sei war nicht allzu weit hergeholt. Bisweilen war es beim Einstieg amüsant zu beobachten, welch unterschiedliche Strategien für das Bergzeitfahren angewendet wurden. Während die einen in vollem Karacho nach oben spurteten, legten andere den ökonomischen Schongang ein. Wieder andere gönnten sich auf der Wiese erst mal eine regenerative "Ruhepause" um den Puls abzusenken und mentale Kraft zu schöpfen bevor es zur Sache ging. 

So mancher Protagonist schien trotz etlichen Höhenmetern in den Beinen überschüssige Kräfte zu haben, weil sie die Bergzeitwertung mit einem filmreifen Wheelie einläuteten. Das Groß der Teilnehmer ignorierte jegliche Ermüdungserscheinung und mobilisierte Kraftreserven um wirklich alles zu geben. Just for Fun Fahrer verfolgten dagegen im Relaxed-Modus eine gänzlich anders geartete Taktik. Sie ließen sich nämlich von der Zeitnahme nicht im geringsten beeinflussen oder aus der Ruhe bringen. Fazit: jeder hatte es selbst in der Hand wie ambitioniert die Zeitnahme genommen wurde. Letzten Endes eine Frage der Einstellung. Dabei darf man nicht vergessen: der Arber-Radmarathon ist und bleibt eine radtouristische Veranstaltung mit ausgeprägtem Breitensport-Charakter.

»MTB-Bergkönig« wurde Florian Holzapfel in einer Zeit von 6:15 Minuten, was ein  Ø von 11.51 km/h entspricht. Bei den Damen heimste Doris Thoma den Titel »MTB-Bergkönigin« ein. Sie bezwang den Uphill in 8:12 Minuten, was ein Ø von 8.78 km/h entspricht.

Die Polizei war mit rund 90 Einsatzkräften zugegen, während 23 BRK-Helfer für das gesunheitliche Wohl sorgten. Hierbei ist die stete Freundlichkeit und das ausgesprochen harmonische Verhältnis zu den Teilnehmern lobenswert - solange man sich natürlich an die Regeln der StVO hält.

Auch unter den Polizeieinsatzkräften herrschte gute Stimmung. Erfreulicherweise hatten sie nur wenig Arbeit, denn aus polizeilicher Sicht gab es keine besonderen Vorkommnisse. Angesichts der enormen Teilnehmerzahl spricht dies für disziplinierte Fahrverhalten der Teilnehmer.

Ohne sie läuft gar nichts: Unter den 250 Helfern des veranstaltenden Veloclub Regensburg herrschte bei ihrem pflichtbewussten "Arbeitseinsatz" immer gute Laune.

Nur Dank ehrenamtlicher Leistung sind solche Radsport-Events überhaupt zu stemmen. Bleibt festzuhalten, dass das Netzwerk der Zusammenarbeit optimal funktionierte und jeder Helfer seine Aufgaben mit viel Engagement und Herzblut erfüllte. De facto ein entscheidender Mosaikstein, ohne den ein reibungsloser Ablauf  nicht gewährleistet wäre.

Veranstalter und hohheitliche Organe arbeiten Hand in Hand. Positives Feedback bestätigte die Zufriedenheit der Teilnehmer was letztlich Beleg dafür ist, dass organisatorisch und logischtisch alles wie am Schnürchen lief. Alles in allem war der 35. Arber-Radmarathon eine  gelungene Veranstaltung. Beim Helferfest am 31. Juli wird nochmals alles Revue passieren und die Abläufe im Sinne einer Optimierung aufgearbeitet. 

Auch die Rettungskräfte hatten gottlob nicht viel zu tun. Kreisbereitschaftsleiter Jürgen Eder vermeldete zwei Krankehaus-Transporte, während sieben gestürzte Radfahrer ärztliche Hilfe im BRK-Zelt am Dultplatz benötigten. 

Schöne Geste: die letzten Ankömmlinge wurden von der Polizei mit Hupen und Sirenen eskotiert und vom Publikum klatschend auf dem Regensburger Dultplatz empfangen. Nach Rückkehr feierten die ausgemergelten Radsport-Enthusiasten im Ziel standesgemäß. So wurden die Energiespeicher nachgeladen und der reichliche Flüssigkeitsverlust wieder eingepegelt. Nach dem "Arber" ist vor dem "Arber": am 26. Juli 2020 heißt es auf ein Neues!