»Social Distancing v2.0: During Walking, Running and Cycling« - Studie rät zu größeren Abständen unter Sporttreibenden

Mountainbiken mag in Corona-Zeiten zwar per se als bedenkenlos gelten, gleichwohl minimieren einige Vorsichtsmaßnahmen potentielle Ansteckungsrisiken.

Bisher ging man davon aus, dass ausgeatmete SARS-CoV-2-Viren zu Boden sinken und rasch ihre Infektiösität verlieren. Ebenso war man der Annahme, dass ein Abstand zwischen Personen von weniger als anderthalb Metern grundsätzlich als Infektionsdistanz gilt. Doch die Frage, ob diese pauschale Abstandsregel gleichsam auch für Menschen in Bewegung zutrifft (Sport) blieb mangels empirischer Untersuchung bislang unbeantwortet. Aktuell wird über diese spannende Frage unter Wissenschaftlern lebhaft - teils kontrovers - diskutiert. Die Halbwertszeit von Nachrichten hat in Zeiten von Corona extrem abgenommen. Manches von dem was kürzlich noch galt, ist morgen schon wieder Makulatur. Obwohl der SARS-CoV-2-Erreger, der die neuartige Covid-19-Krankheit auslöst erst seit dem 7. Januar 2020 bekannt ist zählt das Cochrane-Register (benannt nach dem britischen Epidemiologen Archie Cochrane) bereits 2 101 Covid-19-Studien (Stand: 24. April, 12 Uhr). Eine Flut an Expertise über das Coronavirus SARS-CoV-2, die jedoch einer Überprüfung von unabhängigen Wissenschaftlern bedarf. Dies betrifft z.B. auch die neue Studie »Social Distancing v2.0: During Walking, Running and Cycling« der Universitäten KU Leuven (Belgien) und TU Eindhoven (Niederlande). Die aufsehenerrenden Thesen bzgl. Abstandsgebote von Joggern bzw. Radfahren untereinander haben für die praktische Anwendung vorerst keine zweifelsfreie Gültigkeit, weil das qualitätssichernde Peer-Review-Verfahren noch aussteht.

Unter der Leitung von Bert Blocken, Professor für Gebäudephysik und Aerodynamik wurde untersucht, wie sehr Sportler COVID-19-Erregern ausgesetzt sein können, wenn sie sich im Windschatten eines anderen Sportlers bewegen. 

Die Forscher untersuchten den Ausstoß von Speichelpartikeln während verschiedener Bewegungen in unterschiedlichen Geschwindigkeiten. Die veränderten Positionen waren nachfolgend, nebeneinander, diagonal versetzt hintereinander sowie direkt hintereinander. Insbesondere Radsportler nutzen gerne den energiesparenden Windschatteneffekt, was sich in Zeiten von Corona als besondere Gefahr herausstellen kann. Prof. Blocken gegenüber der Deutsche Welle: "Wenn man läuft oder Rad fährt und dabei ausatmet, werden zahlreiche nur Mikrometer große Tröpfchen ausgestoßen". Speziell Luftverwirbelungen vermögen die Verbreitung des Virus im Windschatten erhöhen, was durch die CFD-Strömungsanalyse belegt wurde. Quintessenz der Studie: durch die verursachten Luftverwirbelungen beim Radfahren und Laufen können Mikropartikel - und damit auch Viren - sehr viel weiter „tragen“ als die empfohlene Distanz des Social Distancing vorgibt.

Der Befund dieser aufwendigen Studie besagt, dass der bisher vorgegebene Mindestabstand von 1.5 Meter beim Radfahren/Laufen anscheinend bei weitem nicht ausreicht um eine Infizierung mit dem Covid-19-Virus auszuschließen. Für Sportler, die hintereinander Laufen/Radfahren ist das Infektionsrisiko demnach deutlich größer als für jene, die nebeneinander unterwegs sind. Die Empfehlungen der Forscher lauten: Spaziergänger sollten mindestens vier bis fünf Meter Abstand zu dem nächsten Menschen vor sich lassen, Läufer und langsame Radfahrer rund zehn – und sportive, schnelle Radfahrer 20 Meter. 

Ab 8. Juni sind Gruppenausfahrten mit bis zu 20 Personen wieder erlaubt. Bei zu geringem Abstand (Windschattenfahren) gilt zu beachten, dass durch ausgeatmete Viren-Aerosole latentes Infektionsrisiko besteht. 

Am ungefährlichsten sei es laut Studie, wenn sich Sportler im gleichen Tempo nebeneinander bewegen, weil ihre Tröpfchenwolke dahinter abgegeben wird. Auch diagonal versetzt ist das Risiko, Partikel aus der Atemluft des Vordermanns einzuatmen, geringer, während das höchste Kontaminationsrisiko besteht, wenn sich die hintere Person direkt im Windschatten der vorderen befindet.

 Der Deutsche Alpenverein empfiehlt: Höhere Geschwindigkeiten erfordern größere Abstände beim Hintereinanderfahren: 5 m bergauf, 20 m bergab und in der Ebene und beim Überholen einen Seitenabstand von mind. 2 m.