Trail – Feuerwerk im Fichtelgebirge

Am 31. Oktober brannten 13 Mountainbiker des Velo Club Regensburg ihr Trail-Feuerwerk bei traumhaft schönem Herbstwetter in farbenprächtiger Waldlandschaft des Fichtelgebirges ab. Start- Ziel der MTB-Tour war der Fichtelsee, der oberhalb dem staatlich anerkannten Luftkurort Fichtelberg liegt. Zapfige 6 Grad zeigte das Thermometer, d.h. Mehrschichten-Dress war angesagt. In gespannter Erwartung was der Tag wohl bringen mag wurde der Tour entgegengefiebert.

In frühmorgendlicher Stille erfolgte auf dem idyllischen Seehausweg das lässige Warm Up.

Der taufrische Wald Richtung Berggasthof Seehaus und der idyllische Fichtelsee luden zum Tagträumen ein, doch für melancholische Sperenzchen blieb nicht allzu lange Zeit. Schon bald zeigte der Untergrund sein charakterisches Gesicht des Fichtelgebirges. Der erste Uphill des Tages verlangte gleich mal Schmackes in den Beinen und forderte einiges an Fahrtechnik. Glitschige Wurzeln, schmieriges Laub und nasses Granitgestein zwangen nach einer sauberen Ideallinie im steilen Gelände, um die Hindernisse mit Nonchalance zu umschiffen. Aber genau deswegen war man hier, um mit brennender Leidenschaft die Challenge mit der Herausforderung zu suchen. Ausloten was geht und seine Fähigkeiten auf's Parkett zaubern - dafür zeichnen sich die VCR-Offroader aus. Klar, dass sich keiner die Blöße gab und irrwitzige Verrenkungen am Bike machte, nur umso lange als möglich im Sattel zu bleiben.

Kurz vor dem Seehaus mündete der Anstieg in eine Forststraße dessen Markierung „H“ die Richtung zur Platte (884 m) wies. Der Seehausweg ist gespickt mit allen Schmankerl. Selbstredend war Kraft und Fahrtechnik erforderlich – aber genau solche derbe Trailtrüffel lieben hartgesottene Biker. Erleichternd für manche Kämpfernatur, wenn selbst Cracks die Flügel streckten und von ihrem Gefährt abstiegen um weiter zu schieben. Der geflügelte VCR-Spruch „ois fahrbahr“ funktionierte in der Praxis also nicht immer. Besonders so das ausgesetzte Schlussstück zur Platte hatte es in sich. Also Bike schultern und aufi auf'n Gipfel.

Das Hochplateau der Platte (884 m) erinnert mit seinem grünlich schimmernden Felsgestein an den Lusen im Bayerischen Wald. Von hier oben hatte man einen wundervollen Ausblick zur doppelgipfligen Kösseine, wo die Mittagseinkehr geplant war. Weiter ging es auf verwurzelten und mit Felsen gespickten Trails, die bergab die Glückshormone zum Tanzen brachten.

Beim Silberhaus wurde die Route 303 überquert und das nächste Grinsen folgte nach der atemberaubenden Trail-Abfahrt wie auf den Fuß. Wenigstens wurden die überwiegend mit Wurzeln und Felsabsätzen übersähten Uphills mit grandiosen Aussichtspunkten belohnt. Gelegenheit, den Puls auf Ruhe-Modus zu bringen und die grandiose Mittelgebirgslandschaft auf sich wirken zu lassen. Nun folgten flowige, technisch weniger anspruchsvolle Trails die über den Prinzenfelsen und Girgelhöhle zur Hohe Matze (813 m) führten. Die Höhenunterschiede (max. 300 hm) hielten sich zwar in Grenzen, doch die fichtelgebirgstypischen Stein- und Wurzelpassagen saugten im ständigen Up- und Down auf Dauer mächtig Körner. 

Die Abfahrt nach Wurmloh/Hohenbrand bot mit hohen Absätzen, Rinnen, Felsen das volle Programm. Der Anstieg zur Kösseine zog sich verdammt in die Länge, das Mittagessen wollte eben verdient sein. Die Finalrampe war ein felsendurchsetzter Steig, der definitiv nicht fahrbar war. Doch jeder konnte sich mental schon mal auf die bevorstehende Abfahrt einstellen, weil die Rückfahrt über diesen Hammerabschnitt erfolgte.

Nach den etlichen kräftezehrenden Aufstiegen war auf 939 m Höhe erst mal "Halbzeit". Der Energienachschub in fester und flüssiger Form  war überfällig. Die Berghütte – das 112 Jahre alte Kosseinehaus war rappelvoll, denn für den Biergarten war es zu kalt. Die Bestellung war rasch aufgeben: 11x Kasspotzn, 2x Vegetarisch und 13 Zoigl.  

Die Kosseine bietet eine schöne Rundumsicht zu den umliegenden Gipfeln des Fichtelgebirges, nach Bayreuth, zum Rauen Kulm und Bayerischen Wald. Der aus Granit bestehende Bergstock trennt die Oberpfalz von Oberfranken und ist zugleich Europäische Wasserscheide zwischen Nordsee und Schwarzem Meer.

Mit gefülltem Bauch ging es dem Erste-Sahne-Rüttel- Schüttel-Trail hinab, der sich felsig ausgesetzt nach unten windete. Fahrerisches Geschick bewiesen alle – keiner ging über den Lenker oder verlor entgegengesetzt der Schwerkraft seine Speise aus dem Verdauungstrakt. Für den vollen Magen war der Trail eine Tortur, denn es war alles andere als ein geruhsamer Verdauungsspaziergang. Das Gehirn freute sich beim Abwärtszirkeln umso mehr und setzte schubweise Endorphinedosen frei. Juhu, volles Rohr die Synapsen zum Japsen bringen.

Immer wieder traf man auf Wanderer – freundliche Begrüßung und husch war man vorbei. Sie bestaunten schmunzelnd die umherzirkelnden Akrobatiker und dürften sich wohl das ihrige gedacht haben. 

Tourguide Horst bewies einmal mehr Gespür, die Rundtour mit sagenhaften Trails zu würzen und den Anteil der Waldautobahnen auf ein Minimum zu schrumpfen. Als Hirtenhund verstand er es perfekt, seine „entlaufenen“ schwarze Schäfchen einzusammeln.

Nach kurzer Lagebesprechung unterm Burgstein wurde entschieden, den Weg über den Haberstein mit seinen schönen Felsformationen und tollen Trails zur Luisenburg zu wählen. Zur Alternative Quellenweg – für passionierte MTB’ler eine geächtete Forststraße - gab es kollektives Kopfschütteln - somit waren die Würfel gefallen. Nun ging es zurück über den Burgstein, wo sich wiederum ein schöner Aussichtspunkt mit Kanzel befand.

Am Kaiserfelsen hieß es absatteln, der Felsendurchlass war für den Lenker definitiv zu schmal. Auf der Schlußpassage wurde auf einer kurzen Verbindungsstrecke doch auf den welligen Quellenweg eingebogen. Hier wurde mächtig Dampf gemacht, sodass der Ausgangspunkt des Fichtelsees im Sauseschritt bald erreicht war.

Der klassische Absacker-Einkehrschwung in den gemütlichen Wirtsstuben des Waldhotels - für die Seeterrassen waren die Temperaturen zu ungemütlich - rundete die Fichtelgebirgstour standesgemäß ab.

Als die Sonne ihr Haupt senkte neigte und den 1024 m hohen Schneeberg im rötlichen Abendlicht in Szene setzte, neigte sich nach 40 km und 1 100 hm ein traumhafter Erlebebnistag seinem Ende zu. Jene Sorte von Tagen, die sich unauslöschlich ins Gedächtnis einbrennen. Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass alle defekt- und sturzfrei blieben.

Fazit: Traumlandschaft, Traumwetter, Erste-Sahne-Trails und super Stimmung – mehr braucht das Mountainbikeherz wirklich nicht. Die Begeisterung stand jedem ins Gesicht geschrieben, und so herrschte traute Einigigkeit: im Herbst 2016 wird hier wieder gerockt.

Zur Fichtelgebirgs-Region

  Arber-Radmarathon

Der Veloclub Regensburg veranstaltet mit dem Arber - RadmarathonDeutschlands größte Radtouristikveranstaltung. Am 31. Juli 2016 werden ab 6.00 Uhr in Regensburg (Dultplatz) die großen Starterfelder auf die Reise Richtung Bayerischer Wald geschickt. Für Mountainbikergibt's 3 hochattraktive Routen mit abgestuften Schwierigkeitsgraden.